Wirtschaft : Laster zu Schleuderpreisen

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Frankfurt (Main). Einen besseren Zeitpunkt könnte es für Handwerker, Kleinbetriebe, aber auch die großen Spediteure für die Aufrüstung des Fuhrparks nicht geben: Nutzfahrzeuge vom kleinen Transporter bis zum schweren Lkw werden derzeit mit deutlichen Abschlägen verkauft. 30 bis 50 Prozent unter dem Listenpreis seien möglich, heißt es in der Branche. Und das bei einer immer besseren Ausstattung der Fahrzeuge.

Daimler-Chrysler etwa wird, wie Vorstandsmitglied Eckhard Cordes auf einem Workshop des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) in Frankfurt sagte, sein neu gestaltetes Lkw-Modell Actros mit einem besonders komfortablen Bett ausstatten, damit sich der Fahrer optimal ausgeruht ans Steuer setzen kann.

Der knallharte Wettbewerb führt derzeit auf dem europäischen und dem amerikanischen Markt zu einem beispiellosen Preiskampf. „Die Differenz zwischen Verkaufs- und Listenpreis ist deutlich zu hoch“, sagte Cordes. Vor dem Hintergrund der ohnehin flauen Konjunktur geht der Preiskampf allerdings an die Substanz einiger Hersteller. Schon seit zwei Jahren sind die Verkaufszahlen rückläufig, nachdem es in den Jahren 1993 bis 2000 nur aufwärts gegangen war. Seitdem prägen eine verschärfte Konkurrenz und der Preiskampf die Branche, an deren Spitze Mercedes, MAN, Volvo, Scania, Iveco/Fiat, Renault und DAF stehen. Nur am Anfang waren die Folgen positiv. „Das Drehen an der Preisschraube nach unten hilft nicht weiter“, sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk. Damit bekämen die Firmen ihre Kosten nicht in den Griff.

Neben Konzentration und Konsolidierung steht seit dem Jahr 2000 auch die Dienstleistung rund um den Lkw im Mittelpunkt der Branche, die in Deutschland rund 200 000 Mitarbeiter beschäftigt. „Die Nutzfahrzeugbranche ist heute Dienstleister und Systemanbieter für Wirtschaft und Gesellschaft“, sagte Cordes. Rund 80 Prozent der Gütertransporte hier zu Lande würden mittlerweile von Nutzfahrzeugen getragen.

Kurzfristig richtet sich der Blick der Hersteller gerade auf die Internationale Automobil-Ausstellung Nutzfahrzeuge in Hannover vom 12. bis 19. September. Vor allem aber setzt man auf eine wieder anziehende Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte 2002 und im Jahr 2003. VDA-Chef Gottschalk weiß allerdings zu gut, dass es nur Hoffnungen sind. 2002 jedenfalls wird den Transporter-, Lkw- und Bus-Herstellern wieder ein deutliches Minus bescheren, so viel steht schon jetzt fest. In Westeuropa wird mit knapp 2,1 Millionen Einheiten sechs Prozent weniger abgesetzt, bei den dicken Brummis gibt es sogar einen Rückgang von zwölf Prozent auf nur noch 288 000 Fahrzeuge. In Deutschland rechnet der VDA im gesamten Nutzfahrzeuggeschäft mit einem Rückgang von acht Prozent. In den USA werden die Minusraten durchweg zweistellig sein.

Langfristig, sagte Gottschalk, habe das Nutzfahrzeuggeschäft aber gute Wachstumschancen. Wie andere Branchen auch blicken die Lkw- und Bus-Hersteller dabei vor allem auf China und andere asiatische Länder. Und auf Osteuropa. Allein der Absatz in China hat in diesem Jahr bislang um 25 Prozent zugelegt, in Südkorea waren es zwölf Prozent. Dass Branchenvertreter wie Gottschalk in diesen schwierigen Zeiten ihren Unmut auch über das Umfeld ablassen, ist klar. So brandmarkte er den Trend zur Regulierung, die Neuregelung des Autovertriebs, die Verschärfung der Abgasgrenzwerte bis zum Jahr 2008 bei immer noch fehlendem schwefelfreiem Diesel, kritisierte Ökosteuer und Lkw-Maut und die Bevorzugung der Bahn. Damit würden die Transportkosten in die Höhe geschraubt. Rolf Obertreis

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