Wirtschaft : Lateinamerikaner rücken enger zusammen

BUENOS AIRES/RIO DE JANEIRO (AFP). Argentinien und Brasilien wollen innerhalb des Gemeinsamen Südamerikanischen Marktes (Mercosur) mit Paraguay und Uruguay nach dem Vorbild der EU-Verträge von Maastricht Konvergenzkriterien für das Haushaltsdefizit, die Zinssätze und die Gesamtverschuldung festlegen. Wie der argentinische Staatschef Carlos Menem und sein brasilianischer Kollege Fernando Henrique Cardoso auf einer Pressekonferenz in Buenos Aires bekanntgaben, sollen durch eine abgestimmte Politik außerdem Angriffe von Spekulanten auf die Währung der Mercosur-Staaten abgewehrt werden.

Cardoso und Menem kritisierten erneut die Agrarsubventionen der Europäischen Union. Dadurch würde verhindert, daß Mercosur-Produkte auf dem europäischen Markt Fuß fassen. Falls die EU an den Subventionen festhalte, sei der Erfolg des EU-Lateinamerika-Gipfeltreffens Ende des Monats in Rio de Janeiro in Frage gestellt, sagte Menem. Der Mercosur, dem Chile und Bolivien als assoziierte Mitglieder angehören, strebt eine Freihandelszone mit der EU an. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft hat sich für den Beginn entsprechender Verhandlungen im Dezember 2000 ausgesprochen. Frankreich hingegen strebt Verhandlungen nicht vor Juli 2003 an.

Der freundliche Ton und die übereinstimmenden Äußerungen von Menem und Cardoso auf der gemeinsamen Pressekonferenz deuteten darauf hin, daß die zuletzt spannungsgeladene Atmosphäre zwischen den beiden Ländern seit der Abwertung der brasilianischen Landeswährung im Januar sich gelockert hat. Die Ausfuhr argentinischer Waren in andere lateinamerikanische Länder hatte durch die Abwertung des Real erheblichen Schaden genommen. Kommende Woche findet ein Gipfeltreffen der Mercosur-Staaten in der paraguayischen Hauptstadt Asuncion statt.

Beobachter erklärten die Annäherung zwischen Brasilien und Argentinien auch mit der wirtschaftlichen Lage in Brasilien. Der Rückgang der Industrieproduktion hat sich dort nach neuen amtlichen Informationen auch im April fortgesetzt. Wie das staatliche Institut für Geographie und Statistik IBGE am Montag bekanntgab, wurde im April im Vergleich zum Vormonat ein Rückgang um 0,3 Prozent und gegenüber dem Vorjahresmonat gar um 2,4 Prozent registriert. Die Produktion der Industrie sei in den ersten vier Monaten des Jahres zudem um 3,3 Prozent niedriger ausgefallen als im Vorjahres-Zeitraum, hieß es.

Der Rückgang der Industrieproduktion hält in Brasilien laut IBGE seit Juni 1998 an. Die schwere Finanzkrise von Anfang Januar und die Freigabe der Landeswährung Real hätten aber zu einer Verschärfung der Lage geführt. Besonders hart treffe die Rezession in der achtgrößten Industrienation der Erde die Produzenten von langlebigen Konsumgütern. Diese hätten in den ersten vier Monaten des Jahres eine Produktionsrückgang von 16,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichnet. Dahinter folge der Bereich Investitionsgüter mit einem Minus von 12,4 Prozent.

Venezuela bemüht sich unterdessen um ausländische Investoren. Einer deutschen Wirtschaftsdelegation hat die Regierung in Caracas eine "Sicherheitsgarantie" für Investitionen gegeben. Der gegenwärtige Prozeß zur Bildung einer verfassunggebenden Versammlung stelle "keine Gefahr für das ausländische Kapital" dar, versicherte Industrie- und Handelsminister Gustavo Marquez. Das Treffen mit den mehr als 40 deutschen Managern bedeute das Ende der "internationalen Kampagne", die die seit Februar amtierende venezolanische Regierung als Gegnerin des freien Marktes, des freien Unternehmertums sowie der Investitionen präsentiert habe, meinte Marquez. In Venezuela solle bald ein neues Investitionsförderungsgesetz verabschiedet werden.

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