Lauschangriff : Porsche-Chef Wiedeking mit Babyfon abgehört?

Mitten in den Machtkampf zwischen VW und Porsche platzt eine Abhör-Affäre: Es besteht der Verdacht, dass Porsche-Chef Wiedeking mit einem Babyfon belauscht wurde.

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Wendelin Wiedeking. Der Porsche-Chef hat offenbar mehr Zuhörer als ihm lieb sein kann. -Foto: dpa

München/StuttgartPorsche und VW erstatteten Anzeige gegen unbekannt. Das eingeschaltete Babyfon sei in Wiedekings Hotelzimmer im vergangenen November entdeckt worden, sagte ein Porsche-Sprecher am Samstag und bestätigte damit Informationen der Nachrichtenmagazine "Der Spiegel" und "Focus".

Unklar blieb, ob Wiedeking eine Nacht in dem Zimmer mit dem Gerät verbrachte und damit abgehört werden konnte. Laut "Spiegel" wurde das Gerät von einem Sicherheitsdienst vor seinem Eintreffen gefunden. "Focus" berichtete vorab, das Babyfon sei erst am nächsten Morgen entdeckt worden. Sprecher der Unternehmen äußerten sich nicht zum Zeitpunkt des Fundes.

VW: Wir haben nichts damit zu tun

Bei VW spielt sich derzeit ein Machtkampf ab. Der Großaktionär Porsche, der die Mehrheit bei Volkswagen übernehmen will, ist im Streit mit dem Land Niedersachsen und dem VW-Betriebsrat um den künftigen Einfluss. Eine Abhör-Affäre könnte die Spannungen zusätzlich anheizen. Auch den Magazin-Berichten zufolge gibt es keine Hinweise darauf, wer das Babyfon in Wiedekings Zimmer platziert haben könnte - und ob es überhaupt zum Abhören bestimmt war. Ein VW-Sprecher betonte, der Konzern habe nichts mit einem eventuellen Lauschangriff zu tun. Volkswagen nennt auch Wiedekings Namen nicht, sondern spricht nur von einem "Gast von VW".

Die schnurlosen Babyfon-Geräte bestehen aus einem Mikrofon- und einem Empfangsteil für die Eltern. Sie schalten sich normalerweise bei Geräuschen ein, damit Eltern zum Beispiel das Weinen der Babys nicht überhören. Ein Babyfon hat nur eine Reichtweite von einigen Metern und die Tonqualität ist eher niedrig.

Wanze bei VW-Markenchef

Dem "Spiegel" zufolge ließ Wiedeking, der zu einer Aufsichtsratssitzung nach Wolfsburg kam, das Hotelzimmer von einer eigens beauftragten Sicherheitsfirma untersuchen. Die erste Vermutung sei gewesen, dass eine Familie mit Kind das Gerät liegengelassen haben könnte. Allerdings habe eine Überprüfung ergeben, dass in dem Zimmer über Wochen hinweg keine Familie übernachtet habe.

Den Magazinberichten zufolge gab es bei VW und Porsche bereits Abhör-Fälle. So sei eine Wanze in der Wohnung des damaligen VW-Markenchefs Wolfgang Bernhard gefunden worden, schreiben "Spiegel" und "Focus". Laut "Focus" sollen Festnetz-Telefonate des Porsche-Betriebsratschefs Uwe Hück aus seinem Büro laut Erkenntnissen des Werksschutzes abgehört worden sein. Nun würden die Arbeitsräume abhörsicher gemacht, heißt es.

Das Landeskriminalamt in Hannover bestätigte, dass es im Zusammenhang mit dem möglichen Lauschangriff auf Wiedeking Ermittlungen für die Staatsanwaltschaft Braunschweig gibt. Nähere Details wollte der Sprecher nicht nennen. (ho/dpa) 

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