Wirtschaft : Laut IW-Studie ist Markterschließung den Firmen wichtiger als die Arbeitskosten

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Auslandsinvestitionen deutscher Unternehmen können auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen im Inland beitragen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und der Gesellschaft zur Förderung und der Gesellschaft zur FÖrderung des Schutzes von Auslandsinvestitionen (GFSA) am Mittwoch in Berlin präsentierte. Im Rahmen der Studie waren im August 3500 deutsche Unternehmen angeschrieben worden, für die Auslandsorientierung zum tägliche Geschäft gehört. Nur 480 hatten geantwortet.

Die meisten der befragten Unternehmen engagieren sich im Ausland, um dort zu produzieren. Die Produktionsverlagerung ist ihnen wichtiger als reine Marktpflege, also Vertrieb und Kundendienst. Als Gründe für die Produktionsverlagerung gaben viele Unternehmen an, sie hätten bestehende Absatzmärkte nur sichern können, indem sie Produktionsteile ins kostengünstige Ausland verlagerten. Dennoch räumten die meisten ein, die Erschließung und Sicherung neuer Märkte habe bei ihrer Entscheidung eine etwas größere Bedeutung gespielt als hohe Arbeitskosten oder Steuern in Deutschland. Drei Hauptstrategien des Auslandsengagements zeichnete sich bei den befragten Unternehmen ab. Vor allem Großunternehmen gaben an, im Ausland zu investieren, weil sie ein weltweites Produktionsnetz aufbauen wollten, das sie immer weiter optimieren wollten.

Eine zweite Gruppe von Unternehmen verlagert ihre Produktion an kostengünstige Standorte, um über den Re-Import ihre Wettbewerbsfähigkeit am heimischen Markt zu stärken. Dies betrifft vor allem mittelständische Unternehmen, die sich in Mittel- und Osteuropa engagieren. Eine dritte Gruppe - sie umfasst vor allem kleine und mittlere Zulieferbetriebe - gab an, wichtigen Abnehmern ins Ausland zu folgen.

Die meisten Unternehmen (78 Prozent) gehen davon aus, durch Direktinvestitioen an kostengünstigeren Standorten im Ausland die Wettbewerbsfähigkeit der Muttergesellschaft zu sichern - und damit auch Arbeitsplätze in Deutschland. Zahlen, die dies belegen könnten, präsentiert die Studie allerdings nicht. 70 Prozent der befragten Unternehmen planen in den nächsten zwei bis drei Jahren weitere Investitionen jenseits der nationalen Grenze, heißt es weiter.

Entgegen einer verbreiteten Auffassung stellten die im Ausland entstandenen Arbeitspätze "keine verlängerten Werkbänke der deutschen Wirtschaft dar", die überwiegend mit niedrig entlohnten, unqualifizierten Arbeitskräften besetzt werden. Über die Hälfte der Beschäftigten deutscher Auslandstöchter sind, so die Studie, Facharbeiter oder höher qualifizierte Arbeitskräfte.

Bei den globalen Direktinvestitionen war die Bundesrepublik 1998 mit rund 147 Milliarden Mark - das entspricht einem weltweiten Anteil von 13 Prozent - drittwichtigster Exporter von Investkapital, nach den USA und Großbritannien. Allein 50 Milliarden davon entfielen auf die Fusion von Daimler und Chrysler. Andererseits: Als Zielland von Investitionen liegt Deutschland abgeschlagen auf Platz sieben der Weltrangliste. Nur drei Prozent der weltweiten Direktinvestitionen flossen nach IW-Angaben im vergangenen Jahr nach Deutschland.

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