Wirtschaft : Lauter Protest gegen Vattenfall Aktionäre fordern höhere Barabfindung

Anselm Waldermann

Berlin - Gegen den drittgrößten deutschen Energiekonzern Vattenfall Europe regt sich massiver Protest von Kleinaktionären und Mitarbeitern. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung am Mittwoch in Berlin kündigten zahlreiche Anteilseigner Widerspruch gegen die vom schwedischen Hauptaktionär Vattenfall AB betriebene Komplettübernahme an. Zur gleichen Zeit demonstrierten vor dem Tagungszentrum in Berlin-Neukölln nach Gewerkschaftsangaben 5000 der insgesamt 20 000 Mitarbeiter. Ein Sprecher der IG BCE kündigte Arbeitskampfmaßnahmen an, falls der Vorstand bei den Verhandlungen um einen konzernweiten Tarifvertrag nicht auf die Forderungen der Mitarbeiter eingehe.

Vattenfall Europe war vor vier Jahren aus der Fusion der Berliner Bewag mit der Hamburger HEW und den ostdeutschen Energieunternehmen Veag und Laubag entstanden. Das Unternehmen gehört mittlerweile zu 97 Prozent dem staatlichen schwedischen Konzern Vattenfall AB. Nach deutschem Aktienrecht darf ein Hauptaktionär, der über mehr als 95 Prozent der Anteile verfügt, die anderen Anleger gegen eine angemessene Abfindung herauskaufen. Dieses so genannte Squeeze-out haben die Schweden im August vergangenen Jahres angekündigt, als Barabfindung bieten sie 42,60 Euro je Aktie.

Nach Ansicht von Aktionärsschützern ist das zu wenig. „Nach einem langen Weg der Restrukturierung winken nun hohe Gewinne“, sagte Malte Diesselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Aber die Aktionäre sollen daran nicht mehr teilhaben.“ Auf der Hauptversammlung gab Diesselhorst ebenso wie sein Kollege Kai Weigert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) Widerspruch gegen das Squeeze-out zu Protokoll.

Auch der Kapitalmarkt spekuliert offenbar auf ein höheres Abfindungsangebot: Am Mittwochabend notierte die Aktie von Vattenfall Europe bei 46,00 Euro – ein Plus von 4,3 Prozent. Konzernchef Klaus Rauscher verteidigte die Abfindung dagegen als angemessen. Im vergangenen Jahr kam Vattenfall Europe auf einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro. Die Hauptversammlung wurde am späten Abend auf Donnerstag vertagt.

Die Demonstranten vor dem Tagungsgebäude zeigten sich ebenfalls kämpferisch. Aus dem gesamten Vattenfall-Gebiet – neben Berlin und Hamburg ist das vor allem die Lausitz – waren Mitarbeiter angereist, um ihrem Unmut über die Konzernführung Luft zu machen. Im Kern geht es dabei um den geplanten Konzerntarifvertrag. Redner von Verdi, IG Metall und IG BCE forderten, dass der Vertrag für alle Beschäftigten, auch in Tochtergesellschaften, gelten müsse. In dieser Frage sei man mit der Konzernführung aber noch „sehr weit auseinander“. Am 9. März sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden.

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