Wirtschaft : Lautlos durch Berlin

Grünen-Chefin Renate Künast weiht einen Laden für elektrobetriebene Fahrzeuge ein – und fordert eine Prämie für E-Autos

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Elektrisiert. Renate Künast (Grüne) nach der Probefahrt. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Elektrisiert. Renate Künast (Grüne) nach der Probefahrt. Foto: Kai-Uwe HeinrichFoto: DAVIDS

Berlin - Als sie losfährt, macht der Wagen erst mal einen Satz. „Das ist so ungewohnt, man muss das Gaspedal nur antippen und schon geht es los“, sagt Renate Künast, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag. Gerade hat sie in der Wilhelmstraße einen Laden für Elektrofahrzeuge eingeweiht, dazu gehörte auch eine Probefahrt.

„Lautlos durch Deutschland“ hat angefangen mit Elektrorädern und 60-Quadratmeter-Ladenfläche in Charlottenburg. Nach nur eineinhalb Jahren expandieren die Inhaber. „Der Markt entwickelt sich rasant“, sagt Geschäftsführer Beres Seelbach. Jetzt können die Kunden in einem 300-Quadratmeter großen Showroom Fahrzeuge mieten oder kaufen. Zur Auswahl stehen nicht mehr nur elektrobetriebene Fahrräder und Mofas, sondern auch Autos. Das Highlight ist ein roter Sportflitzer mit 300 PS und einem Design wie ein Lotus-Sportwagen. Wo bei anderen Autos die Tankklappe ist, hat der Tesla Roadster Sport eine Steckdose. Man kann 400 Kilometer damit fahren, dann muss er wieder aufgeladen werden.

Seelbach hat „Lautlos durch Deutschland“ gemeinsam mit Manuela Dannenberg und Sven Strube gegründet. „Wir wollten nicht akzeptieren, dass wir hier in Deutschland mit so viel Brennstoff durch die Gegend fahren“, sagt der 26-Jährige. Bei einer Asienreise sei ihm aufgefallen, dass auf den Straßen von Peking schon viele Elektrofahrzeuge unterwegs sind. In Deutschland seien es vergleichsweise wenige, trotz des Regierungsziels, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen.

Für Seelbach ist das vor allem eine Frage des Marketings. „Es kommen gerade viele neue Hersteller auf den Markt, die noch keinen professionellen Vertrieb haben“, sagt der Geschäftsführer. Diese Lücke will „Lautlos durch Deutschland“ schließen. Neben dem Laden in Berlin gibt es schon fünf Franchise-Nehmer in Deutschland. Für die Kunden ist die Entscheidung für ein Elektrofahrzeug auch eine Preisfrage. Die Modelle sind im Durchschnitt 30 bis 40 Prozent teurer als konventionelle Fahrzeuge, sagt Seelbach. Dafür sei der Verbrauch deutlich geringer. Ein Elektroroller verbrauche auf hundert Kilometern Strom im Wert von 50 Cent.

Die Fraktion von Renate Künast hat darum am Donnerstag einen Antrag im Bundestag eingebracht. Die Grünen fordern, den Kauf von Elektroautos mit 5000 Euro über die Kfz-Steuer zu fördern. Nur so könne die Vision vom lautlosen und umweltgerechten Fahren Wirklichkeit werden, sagt Künast. Damit die Fahrzeuge die Umwelt wirklich entlasteten, dürfe der Strom aber natürlich nicht aus Kohlekraftwerken kommen.Miriam Schröder

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