Wirtschaft : LBB-Chefaufseher Sandvoß passt wegen Befangenheit

uwe/dr/fo

Der Aufsichtsrat der Landesbank Berlin (LBB) hat auf seiner Sitzung am Dienstagabend Vorstandsmitglied Bernd-Peter Morgenroth entlassen. Morgenroth will dagegen klagen. Das Dienstverhältnis werde mit sofortiger Wirkung "aus wichtigem Grund" außerordentlich gekündigt, sagte ein LBB-Sprecher am Mittwoch. Er bestätigte damit Informationen des Tagesspiegel vom 16. März.

Ausgerechnet Ernst-Otto Sandvoß, neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Bankgesellschaft und Chef des Aufsichtsrates der LBB, nahm an der Sitzung des Aufsichtsgremiums nicht teil. Er ließ sich entschuldigen - wegen Befangenheit. Die Mitglieder des Kontrollgremiums erfuhren, dass Hoffnungsträger Sandvoß auch Immobilienfonds der Art gezeichnet hat, wegen denen Vorstand Morgenroth gekündigt wird. Auch der Vertreter der leitenden Angestellten im Aufsichtsrat, Helmut Tesch, nahm an der Sitzung nicht teil - mit derselben Begründung.

Einige der von Töchtern der Bankgesellschaft aufgelegten Immobilienfonds wurden nur einem ausgewählten Kreis von Anlegern angeboten. Die Fonds waren mit Steuervorteilen von bis zu 250 Prozent für die Anleger ausgestattet und wurden sogar rückabgewickelt, wenn sich gravierende Baumängel herausgestellt hatten. So hatten Zeichner erst Steuervorteile und später wurde ihnen ein Teil ihrer Investition wieder ausgezahlt.

Die Sitzung des LBB-Aufsichtsrates leitete am Dienstagabend SPD-Fraktionschef Peter Strieder, der ebenfalls so genannte Prominentenfonds aus der Bankgesellschaft gezeichnet hatte. Diese sind aber inzwischen nach seinen Angaben rückabgewickelt worden. Nach Informationen dieser Zeitung versuchte Strieder zunächst, die Kündigung Morgenroths zu verhindern.

Mit dem Fonds 12, der Kündigungsgrund gegen Morgenroht, wurde in ein Wohnhaus in Buckow mit 121 Wohnungen investiert. Gutachter werfen dem Fonds-Management viel zu hohe Baukosten vor. Zudem habe die LBB später das Haus von der Gehag zu einem Kaufpreis übernommen, der weit über dem Verkehrswert liegen soll. Morgenroth sieht sich beziehungsweise den LBB-Vorstand völlig zu Unrecht beschuldigt. Klar ist, dass die Vorwürfe verjährt sind. Deshalb hatten Mitglieder des Aufsichtsrates versucht, den Banker zu überreden, selbst zu kündigen. Das scheiterte jedoch, weil sich die Beteiligten nicht über Abfindung und Gehaltsansprüche einigen konnten. Morgenroths Vertrag läuft bis 2005.

Morgenroth war 2001 in die Kritik geraten, als bei der Landesbank nach einer Sonderprüfung 180 Millionen Euro unentdeckte Kredit-Risiken aufgetaucht waren. Stadtentwicklungssenator und LBB-Aufsichtsratsmitglied Strieder sprach damals von "krassen Managementfehlern". Morgenroth, auch Vorstandschef der Investitionsbank Berlin, war laut Geschäftsbericht im Vorstand der LBB für das Risikomanagement zuständig.

Die Landesbank Berlin gehört zum schwer angeschlagenen Konzern der Bankgesellschaft Berlin. Verfehlte Fonds- und Kreditgeschäfte haben die Bankgesellschaft an den Rand der Pleite gebracht. Um ihre Geschäftsfähigkeit zu erhalten, will das Land als Hauptaktionär den Konzern von Altrisiken in Milliardenhöhe abschirmen. Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) rechnet damit, dass diese Bürgschaft Berlin in den kommenden Jahrzehnten wenigstens 3,7 Milliarden Euro kosten wird. Die Bankgesellschaft wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen.

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