Welche Probleme es in der Praxis gibt

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Leben im Altersheim : Kein pfleglicher Umgang
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Im Alter. 750 000 Menschen ziehen im Alter in ein Pflegeheim, weil sie auf Hilfe angewiesen sind. Sie sollten ihre Rechte kennen.
Im Alter. 750 000 Menschen ziehen im Alter in ein Pflegeheim, weil sie auf Hilfe angewiesen sind. Sie sollten ihre Rechte kennen.Foto: picture alliance / dpa

„Die Verträge sind häufig sehr lang und kompliziert formuliert“, sagt Heiko Dünkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Hinzu kommt, dass Pflegebedürftige und Angehörige kaum einschätzen können, welche Klauseln angemessen sind und welche nicht. Viel zu oft unterschreiben sie einfach. Das ist fatal. „Wir finden in fast allen Verträgen Fehler“, sagt Dünkel. In den letzten drei Jahren hat er 100 Unterlagen geprüft und 30 Unterlassungsverfahren gegen Anbieter eingeleitet, weil ihre Klauseln die Pflegebedürftigen benachteiligen. So nehmen viele Heime nicht nur die Pflegebedürftigen in die Pflicht, sondern auch deren Angehörige: Sie sollen eine Schuldbeitrittserklärung unterschreiben, mit der sie einspringen, falls der Heimbewohner nicht zahlen kann. Rechtlich ist das umstritten.

Was im Todesfall passiert

Wichtig ist zudem, sich genau anzuschauen, was im Todesfall passiert – auch wenn daran bei Vertragsunterschrift weder die Pflegebedürftigen noch die Angehörigen gerne denken. Denn während der Vertrag für eine herkömmliche Mietwohnung nach dem Tod weiterläuft, endet der Vertrag mit dem Pflegeheim sofort. Die Angehörigen setzt das oft unter Zugzwang. So berichtet Dünkel von Fällen, in denen Angehörige das Zimmer der Verstorbenen bereits am Folgetag räumen sollten. Tun sie das nicht, lassen die Heime das Hab und Gut einlagern und stellten die Kosten dafür den Angehörigen in Rechnung. Darauf weisen sie im Kleingedruckten im Vertrag hin. „Solche Klauseln sind intransparent und verstoßen gegen die Pietät“, sagt Dünkel. „Zum einen steht im Vertrag in der Regel nicht drin, wie die Sachen eingelagert werden und was das kostet“, sagt Dünkel. „Zum anderen müssen die Heime den Angehörigen für die Räumung des Zimmers wenigstens eine angemessene Frist setzen.“

Was im Kleingedruckten steht

Vertraglich festhalten sollten Heimbewohner auch, was passiert, wenn sie für einige Zeit ins Krankenhaus müssen. Denn sind die Pflegebedürftigen vorübergehend abwesend, müssen sie nicht den vollen Satz fürs Heim zahlen. Allerdings nehmen viele Einrichtungen das wörtlich – und fordern von den Angehörigen die Miete in voller Höhe, wenn die Bewohner im Krankenhaus sterben. Schließlich waren sie ja dann nicht nur „vorübergehend“ dort. Auch bei Zusatzleistungen werde häufig getrickst, sagt Dünkel. So würden viele Einrichtungen Namensschilder in die Kleidung der Bewohner einnähen, um sie beim Waschen auseinander halten zu können – und das dann separat in Rechnung stellen. „Dabei ist die Besorgung der Wäsche bereits im Rahmenvertrag geregelt“, sagt Dünkel.

Die beiden Schwestern aus Berlin wollten sich mit dem höheren Entgelt nicht abfinden. „Wir ziehen den zu viel bezahlten Betrag jetzt jeden Monat eigenständig von der Rechnung ab“, sagt Gudrun Schulze. Das machen sie bereits seit einigen Monaten so. Bislang erfolgreich.

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