Wirtschaft : Leben in der Bang-bang-bang-Etage

40-Jährige werden Chef – und scheitern gelegentlich

Harald Martenstein

40-Jährige werden Chef – und scheitern gelegentlich

Berlin - Wolfgang Bernhard, der Markenchef von Volkswagen, ist also das nächste Opfer im betriebsinternen Bürgerkrieg der Piëchisten gegen die Pischetsriederianer. Bernhard war erst Anfang 2005 zu Volkswagen gekommen. Als Sanierer. Es hieß: „Der ist ein Arbeitstier und knallhart.“ Als seine Lieblingsformulierung, vielleicht sogar als sein wirtschaftspolitisches Credo gilt der Satz: „Das geht wie mit einem Maschinengewehr, bang, bang, bang.“ Bernhard wurde, in seiner Eigenschaft als VW- Chef, trotzdem nur 46 Jahre alt. Mitte vierzig ist ein gefährliches Alter für Manager. Da macht es oft „bang, bang, bang“.

Ulrich Schumacher zum Beispiel war 45, als sie ihn bei Infineon gefeuert haben. Schumacher hatte Glamour. Zum Börsenstart von Infineon ist er persönlich in der Wall Street vorgefahren, natürlich im Porsche. Sein Führungsstil war gefürchtet, dazu gehörten Ideen wie ein Überwachungssystem für angeblich oder tatsächlich leistungsschwache Mitarbeiter sowie die Kombination von Stellenabbau bei der Belegschaft und großzügigen Aktienoptionen bei sich selber. Wenn es mit der Firma dann bergab geht, wird so etwas gern übel genommen. Ein Betriebsrat rief ihm hinterher, er sei „der Dieter Bohlen der Wirtschaft“. Ganz gerecht sind solche Zuschreibungen nie.

Eng wird es jetzt für den Vorstandsvorsitzenden von Siemens, Klaus Kleinfeld (48), bei Siemens brennt die Luft, wegen akuter Bestechungsvorwürfe, auch die Geschäfte gehen bekanntlich nicht überall glänzend. Beim Internet-Lexikon Wikipedia klagen sie darüber, dass Kleinfeld Sätze, die ihm unvorteilhaft scheinen, mehrfach habe löschen lassen, ähnlich wie die Kunst eines Retuscheurs auf einem Foto die Rolex-Uhr des Siemenschefs verschwinden ließ. Immerhin findet sich bei Wikipedia immer noch das Faktum, dass Kleinfeld sich selbst seine Bezüge von 3,2 Millionen auf 4,3 Millionen Euro erhöht habe. Soll er bei dem Gehalt vielleicht eine Swatch-Uhr tragen?

In den letzten Jahren ist der durchschnittliche deutsche Vorstandsvorsitzende jünger geworden, behaupten jedenfalls Wirtschaftsexperten. Dort, wo man früher mit Mitte 50 ankam, sei man heute oft schon mit Anfang 40. Das funktioniert, vorsichtig gesagt, nicht überall. Dynamik, ein positives Selbstbild und ein gesunder Erwerbssinn sind vielleicht nicht die einzigen Eigenschaften, die in Führungspositionen benötigt werden.

Wer den Blick über die Gipfel der deutschen Wirtschaft schweifen lässt, dem fällt auf, dass Werner Wenning (60, Vorstandschef von Bayer), Helmut Panke (60, bis vor kurzem BMW) und Klaus Zumwinkel (62, Deutsche Post) ihre Jobs gar nicht so schlecht zu erledigen scheinen.

Was haben die Älteren, und was fehlt manchen Jüngeren? Kommunikatives Geschick? Ist es vielleicht eher gut, wenn einer nicht mehr ganz so hungrig ist? Hilft es, auch das Leben außerhalb der Bang-bang-bang-Etage zu kennen?

Die Deutsche Telekom mit weltweit rund 250 000 Mitarbeitern soll jetzt René Obermann führen. Er ist 43. Es heißt, er sei „erfolgsverwöhnt“ und „arbeitssüchtig“. Und er fährt Porsche.

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