Wirtschaft : Lebendiger Prozess statt starrer Vertrag Freihandelsabkommen mit USA in der Debatte

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Berlin - Die vermutlich wichtigste Botschaft war eher taktischer Natur: Man solle das geplante transatlantische Freihandelsabkommen auf keinen Fall wie ein Freihandelsabkommen angehen, warnte der US-Wissenschaftler Dan Hamilton am Montag in Berlin. „Das ist eine Partnerschaft. Der Begriff ist wichtig.“ Denn nichts dürfe an die gescheiterten Doha-Verhandlungen für eine globales Handelsabkommen erinnern.

Hamilton von der Johns-Hopkins-Universität ist ein ausgewiesener Experte für deutsch-amerikanische Beziehungen. In seinem Jahresbericht beziffert er die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen auf ein Volumen von mehr als 4000 Milliarden Euro. Dabei gehe es nicht nur um Güter, sondern zunehmend auch um Dienstleistungen. Seit Barack Obama in seiner jüngsten Rede zur Lage der Nation für das Vorhaben geworben hat, sind die Erwartungen gewachsen. Hamilton erwartet eine pragmatische Haltung des US-Präsidenten: „Es wäre eine Blamage für ihn, wenn es nicht voranginge.“

Allerdings empfiehlt der Wissenschaftler, die Agenda zu beschränken und besonders strittige Punkte zunächst auszuklammern. Ein „lebendiger Prozess“ sei einem starren Vertrag überlegen. „Vielleicht könnte man in einem Jahr ein Paket zusammenbringen, das beide Seiten als Erfolg sehen.“ Obamas Regierung sei bemüht, das Abkommen in ihrer gerade gestarteten zweiten und letzten Amtsperiode unter Dach und Fach zu kriegen. Es solle als ihr Vermächtnis begriffen werden. Der Daimler-Konzern, auf dessen Einladung Hamilton seine Überlegungen vorstellte, beziffert seine mögliche Ersparnis durch ein solches Abkommen auf 200 Millionen Euro pro Jahr.Moritz Döbler

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