Lebensmittel : Ausfuhren der Ernährungsindustrie auf Rekordwert

Die deutsche Ernährungsindustrie hat vor allem wegen eines guten Exportgeschäfts den Umsatz im vergangenen Jahr um 3,7 Prozent auf 138,6 Milliarden Euro erhöht.

BBerlin - Im hart umkämpften Inlandsmarkt habe es ein Plus von 1,9 Prozent auf 106,2 Milliarden Euro gegeben, die Ausfuhren seien um 10,2 Prozent auf 32,4 Milliarden Euro gestiegen, sagte der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Jürgen Abraham, kurz vor Beginn der Grünen Woche (19. bis 28. Januar).

Der Boom für Bioprodukte bescherte der Branche 2006 ein Umsatzplus von rund 15 Prozent. In diesem Jahr werde mit einem ähnlichen Zuwachs und einem Umsatz von mehr als fünf Milliarden Euro gerechnet, sagte Thomas Dosch vom Bioland Bundesverband. Die Grünen im Bundestag halten mehr öffentliche Finanzmittel für den Öko-Landbau für nötig. "Viele Bauern, die auf Öko-Landbau umstellen wollen, sind verunsichert und zögern, weil sich die Rahmenbedingungen verschlechtert haben", sagte Fraktionsvize Bärbel Höhn. Wegen der Nachfrage sind Produkte wie Milch und Fleisch laut Bio-Verbänden knapp. Die Lücke werde durch Importe ausgeglichen.

Kritik an hohen Energiepreisen

Der BVE erwartet 2007 im Inland einen stagnierenden Umsatz. Wegen der demographischen Entwicklung sei kaum mit einer deutlichen Absatzsteigerung zu rechnen. "Mit einem Umsatzplus von zwei Prozent wäre ich schon zufrieden", sagte er. Die Branche erhoffe sich deshalb weiterhin gute Geschäfte auf Auslandsmärkten. Abraham kritisierte die hohen Energiepreise in Deutschland, die teils um 40 Prozent höher als im Ausland seien. Dies sei auf Dauer nicht akzeptabel. Der Ausbau alternativer Energien dürfe nicht zu Lasten der Ernährungsindustrie gehen. Es müssten für die Lebensmittelverarbeitung Rohstoffe zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stehen, sonst gebe es höhere Preise. "Was an der Tankstelle gespart wird, muss dann im Supermarkt mehr bezahlt werden", meinte Abraham.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstrich in einer auf der Pressekonferenz gezeigten Videobotschaft die Bedeutung nachwachsender Rohstoffe für die Landwirtschaft und den Energiesektor. 13 Prozent der Ackerflächen würden für nachwachsende Rohstoffe genutzt - Tendenz steigend. Laut Bauernpräsident Gerd Sonnleitner setzten die Landwirte auf alternative Energien als weiteres Standbein. "Doch werden unsere Bauern zuallererst Nahrungsmittelproduzenten bleiben", bekräftigte er. Wegen der weltweit steigenden Nachfrage nach Nahrungsmitteln und nachwachsender Rohstoffe sei die Stimmung bei den Bauern sehr gut.

"Turbolandwirtschaft ist eine Sackgasse"

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) warnte vor einer falschen Weichenstellung in der Landwirtschaft wegen der steigenden Nachfrage für Bioenergie. "Eine Turbolandwirtschaft, um den viel zu hohen Treibstoffbedarf im Verkehr zu stillen, ist eine Sackgasse", sagte vzbv-Chefin Edda Müller. Es dürften nicht die Fehler wie bei der klassischen Agrarpolitik gemacht würden, sonst drohe die "gleiche Abwärtsspirale aus Massenproduktion, Preisverfall, Industrialisierung der Landwirtschaft und ökologische Verödung", lautet ihre Prognose.

Wegen der steigenden Nachfrage für nachwachsende Rohstoffe zur Energiegewinnung könnten die Lebensmittelpreise steigen. Müller hält die Nutzung von Biomasse aus Holzresten und Agrarabfällen für den richtigen Weg. Bioenergie sollte vor allem zur Strom- und Wärme eingesetzt werden. Kritik übte Müller an der Pflicht zur Beimischung von Biodiesel zu Treibstoffen. Dadurch werde die künftige Entwicklung der deutschen Landwirtschaft in die Hand großer Mineralölkonzerne gelegt. (tso/dpa)

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