Lebensmittel für Kinder : Süßes und Fettiges für die Kleinen

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Berlin - Nicht mehr als eine Handvoll Süßes sollten Kinder am Tag essen, so sieht es die Ernährungspyramide vor. Doch der Großteil der Kinderlebensmittel auf dem deutschen Markt ist einer Untersuchung der Verbraucherorganisation Foodwatch zufolge ungesund. „Drei Viertel der Produkte sind süße und fettige Snacks“, sagte die Foodwatch-Mitarbeiterin Anne Markwardt am Dienstag in Berlin. Nur gut zwölf Prozent der angebotenen Lebensmittel fielen dagegen in den Bereich von Obst, Gemüse und Getreideprodukten, die reichlich verzehrt werden sollen. Für die Studie hatte Foodwatch 1500 Lebensmittel untersucht, die von ihrer Aufmachung her gezielt Kinder ansprechen. „Die Lebensmittelindustrie dreht die Ernährungpyramide auf den Kopf“, kritisierte Markwardt. Mit dem Angebot der Hersteller sei eine ausgewogene Ernährung praktisch unmöglich.

Angesichts des zunehmenden Übergewichts forderte die Organisation ein Werbeverbot: Süßigkeiten sollten nicht mehr speziell für Kinder vermarktet werden dürfen. 15 Prozent der Kinder seien derzeit zu dick, sechs Prozent sogar fettleibig. „Mit Comicfiguren und Stars, Computerspielen und Apps versucht die Lebensmittelindustrie die Kinder anzusprechen und ihre Ernährungsgewohnheiten früh zu prägen“, sagte Markwardt. So habe das Werbebudget der Branche für Früchte und Gemüse 2011 bei 7,3 Millionen Euro gelegen, das für Süßwaren sei mit 722,8 Millionen Euro fast 100 Mal so groß gewesen.

Den Grund für den hohen Anteil an süßen und fettigen Kinderlebensmitteln sieht Foodwatch im Gewinnstreben der Lebensmittelkonzerne. „Das, wovon die Kinder am wenigsten essen sollten, bringt am meisten Rendite für die Konzerne“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. Während die Hersteller mit Obst und Gemüse Margen von weniger als fünf Prozent erzielten, erreichten sie bei Süßwaren, Softdrinks und Snacks Umsatzrenditen von 15 Prozent und mehr. Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, der die Branche vertritt, kritisierte die Studie als „überzogen und einseitig“. Es gebe keine per se ungesunden Lebensmittel, nur eine unausgewogene Ernährung.

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