Lebensmittel im Netz : Nach Amazon will auch Otto Lebensmittel verkaufen

Der Online-Händler Amazon verkauft jetzt Lebensmittel im Netz–Konkurrent Otto könnte bald folgen. Ein möglicher Partner könnte der Lebensmitteleinzelhändler Kaiser’s werden.

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Virtueller Warenkorb. Auch frische Lebensmittel gibt es im Netz.
Virtueller Warenkorb. Auch frische Lebensmittel gibt es im Netz.Foto: dpa

Berlin - Nie wieder Einkaufstüten und Wasserflaschen schleppen, weil der Einkauf nach Hause geliefert wird – das macht der Online-Einzelhändler Amazon jetzt deutschlandweit möglich. Seit kurzem bietet die Handelsplattform, die sonst eher für Bücher, Elektronik, CDs, Spielzeug oder Küchengeräte bekannt ist, auch Lebensmittel an. 47 000 Produkte, darunter auch Verderbliches wie Gemüse, Fleisch oder Fisch, stehen im Netz zur Auswahl und werden per Post ins Haus geliefert. Auch andere Online- Händler wie der Hamburger Otto-Konzern zeigen Interesse an einem solchen Angebot. Bisher war die Vermarktung von Lebensmitteln im Internet in Deutschland nur lokal erfolgreich. Nun könnte das Geschäft auch bundesweit in Schwung kommen.

Amazon verkauft die meisten Lebensmittel nicht selbst, sondern dient eher als Plattform für rund 60 Partner-Unternehmen, die auf der Seite ihre Produkte anbieten. Amazon Deutschland selbst verkauft nur nicht verderbliche Lebensmittel. Der Kunde kann sich auf der Seite auch nur die Auswahl einzelner Anbieter anzeigen lassen, oder Kategorien wie glutenfreie Produkte, Biowaren, vegane oder gentechnikfreie Lebensmittel wählen.

In den USA bietet Amazon schon seit 2006 Lebensmittel im Netz an, in Japan seit Oktober 2008. Ende Juni startete der Händler das Angebot in China, vergangenen Mittwoch in England. Zum Erfolg mit dem Online-Lebensmittelhandel wollte Amazon jedoch keine Angaben machen.

In Deutschland bestellen laut „Lebensmittelzeitung“ rund 33 Millionen Menschen jährlich für 15,5 Milliarden Euro Waren im Internet, doch dabei spielt der Verkauf von Lebensmitteln kaum eine Rolle. Der online erzielte Umsatzanteil erreicht an dem 150 Milliarden Euro großen Lebensmittel-Markt nur 0,5 Prozent und beschränkt sich im Wesentlichen auf Spezialitäten und Delikatessen.

Die Vermarktung von Lebensmitteln über das Internet gilt als schwierig. Der Versand ist kompliziert, die Reklamation ebenfalls. Auch wenn die Produkte bei Amazon genauso teuer wären wie im Supermarkt, kann der Versand den Online- Einkauf kostspielig machen. Amazon-Produkte werden nach den auch sonst bei dem Onlinehändler üblichen Versandbedingungen verschickt, die Partnerunternehmen aber versenden ihre Waren selbst und entscheiden auch über die Kosten. Das kann den Versand so teuer machen wie das Produkt selbst.

Verbraucherschützer sehen das neue Angebot von Amazon kritisch. „Es gibt zu wenig Informationen über die Produkte bei Amazon und zudem gibt es beim Internethandel keine Lebensmittelkontrollen“, sagt Janina Löbel, Ernährungsreferentin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. In diesem Bereich gebe es keine gesetzlichen Regelungen. Die Verbraucherschützerin empfiehlt, wenn möglich Lieferangebote in der Region zu nutzen. „Viele kleine Supermärkte und Bio-Läden beliefern auch ihre Kunden, und das ist im Zweifel günstiger und frischer als bei Amazon“, sagt Löbel.

Der Erfolg mit dem neuen Angebot ist Amazon keinesfalls garantiert. Zu Zeiten der Dot-Com-Ära um das Jahr 2000 waren eine ganze Reihe von Online-Lebensmittelläden an den Start gegangen. Die meisten Projekte blieben nicht lange am Markt. Auch der Hamburger Otto-Konzern hatte den Verkauf von Lebensmitteln über das Internet vor einigen Jahren schon ausprobiert und war damit gescheitert. Nun könnte das Unternehmen einen neuen Anlauf wagen. „Wir denken über einen Wiedereinstieg in den deutschen Online-Markt für Lebensmittel nach“, sagte Otto-Sprecherin Verena Fink. Man sei noch in der Phase der Marktsondierung und spreche mit potenziellen Partnern. „Voraussetzung für den Erfolg ist ein leistungsstarker national aufgestellter Partner aus dem Lebensmittel-Einzelhandel sowie eine zentrale Lagerlogistik“, sagte Fink.

Dieser Partner zu sein, könnte sich der Lebensmitteleinzelhändler Kaiser’s vorstellen. Kaiser’s ist einer der wenigen in der Branche, der einen Bestellservice bietet und das gesamte Lebensmittelsortiment nach Hause liefert, allerdings nur in München und Berlin. „Wir könnten uns vorstellen, möglicherweise mit Otto zusammenzugehen“, sagte Tobias Tuchlenski, Geschäftsführer von Kaiser’s Berlin dem Tagesspiegel. Noch habe es keine Anfrage gegeben. „Wir sind aber gesprächsbereit“, sagte Tuchlenski.

Rund 30 Prozent der Kunden, die den Lieferservice von Kaiser’s nutzen, bestellen die Produkte im Internet, der Rest ordert per Fax oder Telefon. „Besonders ältere Menschen bestellen lieber per Telefon“, sagt Tuchlenski. Im Unterschied zu Amazon versendet Kaiser’s die Waren nicht per Paket, sondern liefert sie. Eine Konkurrenz zum eigenen Angebot sieht Tuchlenski in Amazon nicht: „Wir sind deutlich besser, wir bieten mehr Frische, Qualität und Fachkompetenz.“ Kaiser’s sei der einzige Supermarkt, der im Internet das volle Sortiment anbiete und derzeit der einzige, der damit gut verdiene.

Zwar bietet auch der Einzelhändler Edeka seit fast zehn Jahren deutschlandweit Lebensmittel im Internet an. Im Unterschied zu Amazon und Kaiser’s werden aber keine frischen und kühlpflichtigen Produkte verschickt. Die Absicht sei, Erfahrungen im E-Commerce zu sammeln, erklärt Christhard Deutscher, Sprecher von Edeka Südwest. „Mit der Resonanz sind wir zufrieden, der Shop trägt sich.“Jahel Mielke

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