Lebensmittelhandel : Tengelmann verkauft Supermärkte an Edeka

Tengelmann verkauft seine Supermärkte an den Konkurrenten Edeka. Die Tochter Kaiser's ist seit Jahren defizitär.

Die Unternehmensgruppe Tengelmann steigt aus dem Supermarktgeschäft aus.
Die Unternehmensgruppe Tengelmann steigt aus dem Supermarktgeschäft aus.Foto: dpa

Die Unternehmensgruppe Tengelmann steigt aus dem Supermarktgeschäft aus. Die Supermarkttochter Kaiser's Tengelmann mit ihren mehr als 450 Filialen solle zum 30. Juni 2015 an den Edeka-Verbund verkauft werden, teilte das
Unternehmen am Dienstag in Mülheim an der Ruhr mit. Tengelmann sehe "keine Perspektive mehr", das seit Jahren defizitäre Supermarktgeschäft wieder profitabel zu machen.

Allerdings wird Edeka mit einer genauen Prüfung durch das Bundeskartellamt rechnen müssen. Denn das Bundeskartellamt ist bereits beunruhigt wegen der zunehmenden Marktmacht der „großen Vier“ am Lebensmittelmarkt. 85 Prozent des deutschen Absatzes halten die vier Firmen Aldi, Lidl, Edeka und Rewe derzeit und expandieren weiter. Die Situation sei „besorgniserregend“, hatte Kartellamtschef Andreas Mundt erst vor kurzem gesagt..

Denn je mehr die Handelsketten wachsen, desto schwächer wird in vielen Fällen die Position der Lebensmittelhersteller beim knallharten Feilschen um Preise und Rabatte. Wenn etwa Marktführer Edeka mit bis zu 30 Prozent Marktanteil mit dem Auslisten bestimmter Produkte droht, können manche Hersteller nur die Faust in der Tasche ballen - spätestens, wenn sie den einen Auftrag verloren haben und danach im Vorzimmer der anderen Handelskette stehen.

Edeka wehrt sich gegen die Vorwürfe

Missbrauch sah die Wettbewerbsbehörde etwa nach der Übernahme der Plus-Filialen durch Edeka 2009. Danach habe der Marktführer zahlreiche Lebensmittelhersteller zu Nachverhandlungen aufgefordert und erhebliche sogenannte Hochzeitsrabatte verlangt, lautet der Vorwurf des Kartellamtes. Diesen Rabatten nach der Übernahme habe keine Leistung gegenübergestanden. Edeka wehrt sich gerichtlich gegen die Vorwürfe.
Drei Jahre lang hat das Bundeskartellamt die Marktmacht der Ketten und das Marktverhalten der Branche untersucht: Erst in ausgewählten Produktgruppen von Tiefkühlpizza über Kaffee, Ketchup bis zu Milch und Konserven, danach per Befragung von über 200 Lebensmittelherstellern und 21 Handelsunternehmen.

Zum Teil seien abenteuerliche Tricks für die Deklarierung von Extrazahlungen ans Licht gekommen. So seien Hersteller genötigt worden, sich an der Renovierung von Handelsfilialen finanziell zu beteiligen, berichtet das Kartellamt. „Synergie-“ oder „Hochzeitsboni“ seien verlangt worden; Hersteller hätten Händlern besonders lange Zahlungsziele - de facto zinsgünstige Kredite - einräumen müssen.
„Der Lebensmitteleinzelhandel ist hochkonzentriert. Die Marktstruktur droht sich noch weiter zu verschlechtern“, resümiert die Aufsichtsbehörde. Preisdruck des mächtigen Handels auf die Lieferanten sei eine zweischneidige Sache, mahnt der Kartellamtschef.

Er könne zwar im Einzelfall für niedrigere Preise sorgen - falls die Rabatte weitergegeben werden - auf Dauer gehe das aber auf die Qualität der Produkte. Außerdem wachse die Abhängigkeit der Hersteller mit geringeren Einnahmen immer mehr.

Es ist ein europäisches Thema

Europaweit ist die Konzentration des Lebensmittelhandels ein großes Thema. Es gibt dazu eine „Task Force“, Anfang Oktober veröffentlicht die EU eine eigene Untersuchung. Diskutiert wird in Brüssel, ob eine Selbstregulierung reicht oder gesetzliche Schranken nötig sind. Das Bundeskartellamt hält dagegen das deutsche Wettbewerbsrecht für ausreichend. Bei den vier Großen würden wegen ihrer Marktmacht aber künftig besonders strenge Kriterien angelegt, kündigte Mundt an. AFP/dpa

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