Lebensmittelkosten : Milchpreise sinken - Aldi setzt Bauern unter Druck

Mit einer deutlichen Preissenkung geht der Billigdiscounter Aldi in die Offensive: Die Milch kostet ab Montag zehn Cent weniger. Doch was die Kunden freut, stößt beim Bauernverband auf heftige Kritik. Er wirft dem Einzelhandel Erpressung vor.

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Ab Montag billiger. Aldi senkt die Milchpreise - den Bauern gefällt das nicht. -Foto: dpa

Höchststände an den Zapfsäulen, steigende Rechnungen für Strom und Heizöl, saftige Preise für Eier, Brot und Obst - Milch hingegen wird billiger. "Endlich eine gute Nachricht für die Verbraucher", sagt der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes (HDE), Hubertus Pellengahr. Vorreiter bei der Preissenkung ist Aldi. Der Discounter reduziert ab Montag den Preis für einen Liter Milch um zehn Cent. Bei einem derzeitigen Preis von 73 Cent sind das knapp 14 Prozent. Das schmeckt längst nicht jedem: Der Bauernverband (DBV) ist "stinksauer", wie Sprecher Michael Lohse sagt. Der DBV wirft dem Einzelhandel "Erpressung" vor.

Die Preissenkung für Milch ist ein "sehr positives Signal, dass nicht alles teurer wird", findet HDE-Geschäftsführer Pellengahr. Auch Butter kostet schon seit Anfang März wieder soviel wie vor den Preisschüben des Winters.

Wegen der höheren Milchquote können die Bauern mehr produzieren

Grund für die Entwicklung: Es ist viel Milch auf dem Markt, da die Kühe im Frühjahr mehr Milch geben, wie Michael Lohse vom Bauernverband erläutert. Weltweit haben die Bauern auf die hohen Preise der vergangenen Monate reagiert und mehr produziert - auch die Bauern in der EU, die seit dem 1. April mehr Milch erzeugen dürfen, weil die Agrarminister jüngst in Brüssel die Aufstockung der Milchquoten beschlossen haben.

Den rund hundert Molkereien in Deutschland stehen wenige große, mächtige Einzelhandelskonzerne gegenüber - Aldi, Lidl, Edeka und Rewe. "Die können die Molkereien gut gegeneinander ausspielen", sagt DBV-Sprecher Lohse. In dieser wenig vorteilhaften Lage soll Aldi seine Milchlieferanten um zwölf Cent im Preis gedrückt haben, heißt es. Bei zehn Cent Preisnachlass für die Kunden blieben zwei Cent bei dem Discounter hängen - ein gutes Geschäft. "Wir glauben, dass Aldi die Molkereien erpresst hat", wirft Lohse der Discounterkette vor.

Bauernverband: Aldi erpresst die Molkereien

Die Milchbauern in Deutschland brauchen einen Milchpreis von 35 bis 45 Cent pro Liter. Denn auch sie müssen sehr viel mehr Geld für Energie und Futter ausgeben. Die Molkereien zahlten ihnen im vergangenen Jahr durchschnittlich 37 Cent - manche aber auch bis zu 47 Cent. Sinken die Preise für Butter und Milch nun wieder, fürchtet der Bauernverband um die Existenz vor allem kleiner Betriebe. Dass Deutschland einmal Milch in großen Mengen aus dem Ausland importieren muss wie heute schon das Erdöl - das könne doch wirklich nicht im Interesse des Verbrauchers sein, wirbt DBV-Sprecher Lohse für stabile Preise.

Die Hoffnung aufgegeben hat der Verband nicht. Im Herbst werde die Nachfrage nach Milch und Milchprodukten kräftig anziehen und dann stünden neue Preisverhandlungen an. Die Verbraucher sollten sich auf Preisanhebungen in einigen Monaten einstellen. Trotz der großen Macht des Handels glaubt auch HDE-Geschäftsführer Pellengahr, dass Preissenkungen wie bei der Milch nur kurzfristig sind. "In der Tendenz müssen wir uns in den nächsten Jahren auf steigende Lebensmittelpreise einstellen." (stb/AFP)

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