Lebensmitttel : Gammel-Verdacht verteuert Putenfleisch

Auch Aldi und Lidl räumen Fleisch der Firma Heidemark vorsorglich aus den Regalen. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen den Fleischproduzenten.

Maren Peters

Berlin - Putenfleisch könnte kurz vor dem Weihnachtsfest teurer werden. Grund sind die Gammelfleisch-Vorwürfe gegen die niedersächsische Firma Heidemark, die einer der größten Putenproduzenten Deutschlands ist. Als Reaktion auf die Vorwürfe haben nach dem Metro-Konzern (Real, Extra) am Freitag auch Lidl und Aldi-Nord Heideland-Produkte vorerst aus den Regalen geräumt. „Wenn Lidl & Co. keine Ware mehr beziehen, kann die Lücke kaum kurzfristig aus anderen Quellen gefüllt werden“, sagte Werner Böttcher von der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle der Landwirtschaft, dieser Zeitung. „Das wird einen Preisanstieg zur Folge haben.“

Heidemark wird von drei ehemaligen Mitarbeitern beschuldigt, verdorbene Ware verkauft zu haben. In eidesstattlichen Versicherungen gaben die drei Männer an, dass im April und Mai dieses Jahres fast täglich verdorbenes Fleisch aus Polen angeliefert worden sei. Obwohl es bereits gestunken habe und glitschig gewesen sei, hätten sie es trotzdem wie frisches Fleisch neu verpacken müssen. Heidemark hat die Vorwürfe inzwischen zurückgewiesen. Seit Mittwoch ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg in dem Fall.

Als Reaktion hatte am Donnerstag der Handelskonzern Metro als erster angekündigt, Heidemark-Produkte bis auf weiteres nicht mehr zu verkaufen. Betroffen davon sind die Metro-Töchter Real, Extra und die Großmärkte Cash & Carry. Am Freitag zogen auch andere große Kunden des Putenfleisch-Produzenten nach. „Heute ist nach langer Prüfung die Entscheidung gefallen, Pute von Heidemark aus dem Sortiment zu nehmen", sagte eine Lidl-Sprecherin dem Tagesspiegel. Die Sicherheit der Verbraucher stehe an erster Stelle. Auch eine Aldi-Nord-Sprecherin sagte, Putenfleisch des Herstellers werde seit Freitag „vorläufig nicht mehr verkauft“. Damit solle eine unnötige Verunsicherung der Verbraucher verhindert werden.

Ob an den Vorwürfen an Heidemark etwas dran ist, ist derzeit völlig ungeklärt. Nach Angaben der Oldenburger Staatsanwältin Frauke Wilken ist in den vergangenen Tagen „umfangreiches Aktenmaterial“ sowie Fleisch bei Heidemark sichergestellt worden, das jetzt untersucht werde. Das Ergebnis will sie Anfang nächster Woche vorstellen.

„Die werden mit Sicherheit nichts finden“, kommentierte Martin Müller, Chef des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure. „Das ist viel zu lange her.“ Für möglicherweise betroffene Verbraucher sei das Ergebnis der Untersuchung ohnehin nicht mehr wichtig. „Das Fleisch wäre durch unsere Mägen schon längst hindurchgekommen.“

Das beschuldigte Unternehmen aus dem niedersächsischen Garrel, das ein Branchenkenner als „zuverlässig und seriös“ bezeichnet, wies die Vorwürfe zurück. Heidemark-Sprecher Hartmut Hanelt sagte, im Betrieb seien amtliche Veterinäre, die das Fleisch jeden Tag kontrollierten. „Wir hatten immer die Freigabe“, sagte er. Am Donnerstag hatten fünf leitende Mitarbeiter eidesstattliche Erklärungen abgegeben, in denen sie versicherten, dass unter ihrer Verantwortung niemals mangelhaftes Fleisch verpackt und verarbeitet worden sei.

Das Unternehmen vermutet in den Vorwürfen der ehemaligen Mitarbeiter einen Rachefeldzug. Sie hätten die Vorwürfe erst erhoben, nachdem ihnen gekündigt worden war. Heidemark setzt nach eigenen Angaben rund 300 Millionen Euro im Jahr um und beschäftigt 1000 Mitarbeiter. Produziert wird vor allem in Deutschland, in Spitzenzeiten – wie vor Weihnachten – werde auch Ware aus dem Ausland zugekauft. Neben Metro, Aldi und Lidl hätten sich auch andere Kunden zurückgezogen. „Das tut uns richtig weh“, sagte Hanelt. Welche Folgen das für den Betrieb haben werde, sei aber noch nicht absehbar.

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