Wirtschaft : Lebensversicherer zahlen weniger Zinsen

Allianz Leben senkt Gewinnbeteiligung auf 4,5 Prozent / Große Unterschiede zwischen den Gesellschaften

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Berlin (hej). Deutschlands Versicherungskunden werden 2004 weniger Zinsen für ihre Lebensversicherungen bekommen als in diesem Jahr. Marktführerin Allianz Lebensversicherung teilte am Mittwoch mit, dass die zehn Millionen AllianzKunden im kommenden Jahr nur noch eine Gesamtverzinsung von 4,5 Prozent erhalten werden. In diesem Jahr hatte die Allianz Leben ihren Versicherten noch 5,3 Prozent garantiert.

Die Gesamtverzinsung von Kapitallebens- und Rentenversicherungen setzt sich aus dem staatlich festgelegten Rechnungszins (Garantiezins) und der Überschussbeteiligung zusammen. Der Garantiezins beträgt für Neuverträge, die ab dem 1. Januar 2004 geschlossen werden, 2,75 Prozent. Altverträge erhalten – je nach Abschlusstermin – bis zum Vertragsende einen garantierten Zinssatz von bis zu vier Prozent.

Niedriges Zinsniveau

Allianz Leben-Chef Gerhard Rupprecht sagte, die Zinssenkung sei „zwingend erforderlich gewesen“. Rupprecht verwies auf das historisch niedrige Zinsniveau. So sei die Rendite für zehnjährige Pfandbriefe zeitweise unter 3,7 Prozent gerutscht. Ende vergangenen Jahres sei die Allianz Leben noch von höheren Zinsen ausgegangen, räumte Rupprecht ein, man dürfe sich aber nicht von der „Magie der hohen Zahlen aus der Vergangenheit blenden lassen“. Wegen der niedrigen Inflation könne sich die Realverzinsung jedoch unterm Strich immer noch sehen lassen, meint der Versicherungschef. Zudem dürfte auch die Bruttoverzinsung höher als 4,5 Prozent ausfallen, heißt es bei der Allianz. Verträge in der Ansparphase, für die die Kunden jetzt noch Beiträge zahlen, könnten mit einem Schlussgewinnüberschuss und einer Gesamtrendite von 5,1 Prozent rechnen. Rentenversicherungen, die sich bereits in der Auszahlungsphase befinden, erhalten eine Gesamtverzinsung von 4,7 Prozent.

Verbraucherschützer begrüßen die Zinssenkung. „Die Allianz hat eine kluge Entscheidung getroffen“, sagte Manfred Poweleit, Herausgeber des Branchendienstes map-Report, dem Tagesspiegel. „Die Unternehmen können ihren Kunden nicht mehr gutschreiben als sie selbst am Kapitalmarkt erwirtschaften können.“ Einige Versicherer hätten sich in den letzten Jahren übernommen, kritisierte Poweleit. Die Gesellschaften hätten mehr deklariert als sie verkraften konnten. Poweleits Devise: „Trau keinem über fünf Prozent.“

Asstel garantiert sechs Prozent

Wie eine Umfrage des Tagesspiegel unter Lebensversicherern ergab, liegen die Zinssätze weit auseinander. Während die Victoria ihre Gesamtverzinsung von 4,5 Prozent auf 3,3 Prozent senken will, wird die Huk Coburg ihre Überschussbeteiligung wahrscheinlich bei 4,5 Prozent stabil halten. Die Gothaer Leben behält bei Altverträgen 4,3 Prozent bei, neue Kapitallebenspolicen werden mit 4,2 Prozent, neue Rentenversicherungen mit 4,4 Prozent verzinst.

Spitzenreiter ist der Kölner Direktversicherer Asstel. Die Gesellschaft garantiert ihren Kunden in der Kapitallebensversicherung eine Gesamtverzinsung von sechs Prozent (2003: 6,95 Prozent), in der Rentenversicherung sind es 6,2 Prozent (7,45 Prozent) und bei Riester-Renten sogar 6,35 Prozent (6,7 Prozent). Das sei möglich, sagte Asstel-Vorstand Rudolf Maroschek, weil das Unternehmen eine gute Kapitalanlagepolitik mit überdurchschnittlich hohen Renditen betreibe. Zudem nutze man freie Rückstellungen in der Bilanz, um eine verlässliche Rendite zu gewährleisten. Um zu beweisen, dass man die Überschüsse nachhaltig erwirtschaften könne, garantiere Asstel die hohen Zinssätze nicht nur für 2004, sondern auch noch für 2005, so Maroschek. „Unsere Überschussbeteiligung ist kein Kundenfang.“

Bei der Auswahl des richtigen Lebensversicherers sollten sich die Kunden nicht vorrangig an der Höhe der Überschussbeteiligung orientieren, meint Wolfgang Scholl, Versicherungsexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv). „Es ist falsch, nur auf die aktuelle Überschussbeteiligung zu schauen“, warnt der Verbraucherschützer. Wichtiger seien die Kapitalstärke der Versicherer und die Kostenstruktur.

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