Wirtschaft : Lebensversicherungen: Werbung für "Riester-Produkte" im Visier

Jörg Knospe

Mehreren Lebensversicherungen droht ein Prozess, wenn sie ihre Werbeaussagen zur "Riester-Rente" nicht korrigieren. Die Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen hat vier Unternehmen abgemahnt: Victoria, Aachener und Münchener, Mannheimer und - als Versicherung der Sparkassen - die Provinzial. Für nicht tragbar hält der Leiter der Abteilung Finanzdienstleistungen, Rainer Metz, dass Anbieter in Anzeigen und im Internet auf einen Vertragsabschluss nach dem gerade erst vom Bundesrat verabschiedeten Altersvermögensgesetz drängen. "Die staatlichen Zulagen sind noch nicht gesichert. Voraussetzung ist die Zertifizierung". Die aber gibt es frühestens im Herbst. Der Streit spitzt sich auf die Frage zu, ob für ein staatlich gefördertes Produkt geworben werden darf, das noch gar nicht genehmigt ist. In letzter Konsequenz geht es darum, ob es zulässig ist, Produkte ohne Prüfsiegel als "Riester-Rente" schon jetzt zu verkaufen. Das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen untersucht erst von Juli an, ob die Angebote von Versicherungen, Investmentfirmen und Banken die strengen Förderkriterien erfüllen. Die Behörde rechnet mit bis zu 20 000 Anträgen.

Bereits am 18. Mai erhielt die Victoria Lebensversicherung Post von den Verbraucherschützern. Den beanstandeten Text im Internet, wonach es "höchste Zeit" sei, die Initiative zu ergreifen, hat sie inzwischen geändert. Das aber reicht der Verbraucher-Zentrale nicht. In ganzseitigen Anzeigen trommelt die Victoria weiter für ihre "Förderrente". "Es ist unzulässig, die Verbraucher unter Zeitdruck zu setzen", sagt Metz. Ändert die Victoria ihre Werbeaussagen nicht umgehend, kommt es zum Prozess vor dem Düsseldorfer Landgericht. Den anderen Versicherungen wurde eine Frist bis 7. Juni eingeräumt.

Michael Rosenberg, Victoria-Chef und Vorstand der Muttergesellschaft Ergo, hält die Devise "Je früher, desto besser" für eine Grundweisheit der Vorsorge. Die pauschale Warnung vor eiligen Abschlüssen ist für den Vorstandsvorsitzenden der Mannheimer Lebensversicherung, Klaus Bohn, sogar "unverantwortlich". Hingegen mahnt der Chef des Direktversicherers Hannoversche Leben, Eckart von Uckermann, keinen "künstlichen Zwang zum Abschluss" zu erzeugen. Die Leute sollten sich "nur nicht verrückt machen lassen", betont Bernd Oppermann, Chef der DEVK-Versicherungen. Die Kunden sollten sich in Ruhe beraten lassen.

Die Düsseldorfer Verbraucher-Zentrale schaut nicht nur Anbietern mit Firmensitz in Nordrhein-Westfalen auf die Finger, sondern mahnt bundesweit ab, wie jetzt auch die Mannheimer Versicherung. Prozessberechtigt ist auch der neue Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände in Berlin. Er empfiehlt, dem Drängen der Anbieter nicht nachzugeben und schon jetzt einen Vertrag abzuschließen.

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