Wirtschaft : Leckerbissen, Schönheit, Wachhund

Sechs gute Gründe, Gänse zu mögen

Einer Legende zufolge saß die englische Königin Elisabeth I. beim Gänsebraten, als im Winter 1588 die Nachricht eintraf, dass die spanische Armada bezwungen worden sei. Aus Freude darüber soll die Herrscherin die Gans zum Weihnachtsbraten erklärt haben. Einer anderen Erklärung zufolge hatten einflussreiche Feinschmecker des Mittelalters vom traditionellen Weihnachtskarpfen genug. Sie erklärten, dass Gänse ab sofort als Fische zu gelten hätten. Die sind den Geboten zufolge auch in der Fastenzeit erlaubt.


Ein bisschen Luxus muss auch in Zeiten der Krise sein. Zumindest in Spanien. In den ersten sieben Monaten 2009 importierte das Land 386 Tonnen französische Gänseleber und ist damit der größte Abnehmer der teuren Delikatesse im Ausland. Deutschland führte nur 24 Tonnen ein und rangiert damit an sechster Stelle. Auch die Franzosen wollen zu Weihnachten nicht auf ihre Lieblingsdelikatesse verzichten. Dafür sparen sie einer Umfrage zufolge sogar an Geschenken.


Um Gänse zu mögen, muss man sie nicht essen. Man kann auch einfach von ihrer Schönheit fasziniert sein. Echte Gänsefans können sich ihre Liebe nun auch schriftlich bestätigen lassen: Für 7,95 Euro gibt es im Internet – zum Beispiel bei Ebay – ein „Gänseliebhaber-Diplom“, ausgestellt von der „Animal State University“. Dort wo es an der Wand hängt, kann man wohl zu Weihnachten nicht mit einer knusprigen Gans rechnen.


Wenn am ersten Weihnachtstag die Arbeit getan ist und der Gänsebraten endlich in der Röhre steckt, steigt anderswo die Spannung. Als „Gänse-Kurve“ wird in den Kraftwerken der erhöhte Stromverbrauch bezeichnet, der sich zu dieser Zeit in den Statistiken abzeichnet.


An Weihnachten 2000 musste der damalige Kanzler Gerhard Schröder auf einen Gänsebraten verzichten. Tochter Clara hatte das Tier mit ihrem Einspruch vor dem Ofen bewahrt. Die acht Kilogramm schwere „Doretta“ lebte erst in einem Berliner Streichelzoo. Später entpuppte sie sich als Ganter und trug fortan den Namen „Schröder“. Er half in einem Altenheim bei der Therapie von demenzkranken Menschen. Der Ganter starb in diesem Mai an einem Lebertumor.


Gänse und Menschen verbindet eine lange Geschichte. Die Beziehung endete aber nicht immer mit einem Festmahl. Bei den Griechen galt die Gans der Persephone als heilig. Wegen ihrer Schönheit waren die Tiere beliebte Geschenke. Den Römern war die Gans der Juno heilig. Daher wurden auf dem Kapitol Gänse gehalten, die beim Einfall der Gallier Alarm geschlagen und damit den Angriff vereitelt haben sollen. mco/jmi

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