Wirtschaft : Lehman-Gläubiger können auf Geld hoffen Insolvenzverfahren steht kurz vor dem Abschluss

New York - Mehr als drei Jahre nach dem folgenschweren Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers dürfen die Gläubiger langsam mit einer Entschädigung rechnen. Nachdem am Dienstag der zuständige New Yorker Insolvenzrichter James Peck einem überarbeiteten Insolvenzplan zugestimmt hat, wird mit ersten Auszahlungen Anfang kommenden Jahres gerechnet. Das offizielle Ende des Insolvenzverfahrens könnte das Gericht den Angaben zufolge am 31. Januar kommenden Jahres erklären.

Insgesamt soll verbliebenes Vermögen von rund 65 Milliarden Dollar (49 Milliarden Euro) ausgeschüttet werden. So sieht es der überarbeitete Insolvenzplan vor. Die Gläubiger erhalten so deutlich weniger zurück als ihre Forderungen, die sich auf 450 Milliarden Dollar beliefen. Außerdem wird das Geld nicht auf einen Schlag fließen. Die Bank hat nur einen Teil des Vermögens noch in bar in der Kasse. Von den 65 Milliarden Dollar Restvermögen seien derzeit nur 25 Milliarden Dollar liquide, heißt es. Der überwiegende Teil sind Immobilien, die erst noch verkauft werden müssen. Damit könnte es sich noch Jahre hinziehen, bis bei Lehman Brothers endgültig Schluss ist. Die Abwicklung der Pleitebank dürfte noch drei bis fünf Jahre dauern, hieß es aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen.

Lehman Brothers war 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise zusammengebrochen. Wie viele Geldhäuser hatte die Bank in großem Stil mit auf faulen US-Immobilienkrediten basierenden Wertpapieren spekuliert. Nach Angaben der mit der Abwicklung betrauten Zweckgesellschaft Lehman Brothers Holdings Inc. war es die „größte und komplexeste“ Pleite der Geschichte mit 7000 Betroffenen. Das erklärt unter anderem auch, warum sich die Abwicklung der einst viertgrößten Investmentbank der Welt so lange hinzog. Lehman war eng in die Finanzwelt verflochten und hatte Tochterfirmen in mehr als 40 Ländern. Auch in Deutschland kümmert sich ein Insolvenzverwalter um die Ansprüche der Gläubiger.

Es dauerte allein Monate, bis die meisten Gläubiger sich hinter den jetzt vom Gericht genehmigten Insolvenzplan stellten. Denn die Geschädigten der Pleite mussten deutliche Abstriche machen. Für jeden investierten Dollar dürften sie am Ende im Schnitt um die 20 Cent zurückbekommen – je nachdem, wie die Geschäftsbeziehung zu Lehman war.

Der deutsche Insolvenzverwalter hatte sich auch mit der Deutschen Bundesbank und dem Bundesverband deutscher Banken einigen müssen. Nach dem aktualisierten Insolvenzplan hat der Bundesverband deutscher Banken nun noch Forderungen über 5,3 Milliarden Dollar und die Deutsche Bundesbank über 3,5 Milliarden Dollar. Aber auch sie bekommen nur einen Teil des von ihnen reklamierten Schadens ersetzt. AFP, dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben