Wirtschaft : Lehrlings-Ausbildung soll zentral organisiert werden

Auch Grüne sind für eine Pflichtabgabe der Betriebe. Die Arbeitgeber fürchten eine Verstaatlichung der Ausbildung

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Berlin (asi). Die Pläne der SPD, eine verpflichtende Abgabe von Unternehmen für die Berufsausbildung zu fordern, haben am Dienstag zu Auseinandersetzungen zwischen Wirtschaft und Politik geführt. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte vor einer weiteren Verschärfung der Lehrstellensituation durch eine Abgabe. Dies würde dazu führen, dass sich Betriebe von der Ausbildung zurückziehen, sagte Hundt. „Es wird zu einer weiteren Verstaatlichung der Berufsausbildung kommen“, sagte die Bildungsexpertin der BDA, Barbara Dorn.

Die Unternehmen würden feststellen, dass sie sich von vielen Problemen, die mit der Betreuung junger Menschen auftauchten, ganz einfach mit der Abgabe freikaufen können. Um dann das Platzangebot in Deutschland aufrechterhalten zu können, sei der Staat gezwungen, immer mehr überbetriebliche Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Dorn wies darauf hin, dass die Baubranche vor Jahren eine tarifliche Pflichtabgabe (derzeit 1,2 Prozent der JahresBrutto-Lohnsumme) eingeführt habe. Trotzdem sei die Zahl der Ausbildungsplätze gesunken. „Man kann so etwas nicht an der Konjunktur vorbei befehlen.“

Vor der staatlichen Überregulierung warnt Dorn auch, weil überregional organisierte Ausbildung dazu führe, dass sie sich den Wunschberufen der Jugendlichen anpasse. „Eine massive Fehlentwicklung bei der Ausbildung“ sei damit programmiert.

Indes machen die Unternehmen ihrerseits die Bildungspolitik der Länder für die Misere mit verantwortlich. Wie eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer (ASU) ergab, beklagten rund ein Drittel (35,6 Prozent) der befragten 348 Unternehmer, dass sich das Bildungsniveau der Bewerber gegenüber dem Vorjahr verschlechtert habe. Lediglich 5,2 Prozent registrierten eine Verbesserung. 55,7 Prozent der im Auftrag des Wirtschaftsmagazins „Impulse“ Befragten beurteilten den Bildungsstand der Bewerber im Vergleich zum Vorjahr als unverändert. Vier von zehn Unternehmen (42,6 Prozent) hätten sich daher entschlossen, in diesem Jahr weniger oder gar keine Auszubildenden mehr einzustellen, hieß es.

Die Grünen präsentierten derweil ein konkretes Modell zur Ausgestaltung einer Pflichtabgabe, wie sie die Sozialdemokraten einführen wollen. „Stiftung Betriebliche Bildungschance (StiBB)“ nennen sie die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Thea Dückert, und die Bildungsexpertin Grietje Bettin. Die Stiftung soll zu einer „zentralen Institution“ für Berufsbildung werden und den Ausgleich zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Betrieben organisieren. Vom Gesetzgeber erwarten Dückert und Bettin, dass er Mindestanforderungen an einen Ausbildungsplatz festschreibt und die Kosten ermittelt. Diese werden dann auf alle Unternehmen umgelegt, branchen- und regionalspezifisch. Sie rechnen mit 0,3 Prozent der Bruttolohnsumme und wollen Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern freistellen. Im Prinzip sollen Betriebe, die junge Menschen ausbilden, aus dem Stiftungskapital feste Kostensätze als Subvention erhalten. Damit sollen die Nettokosten der Ausbildung gedeckt werden.

Zusätzliches Kapital wollen die Grünen für ihre Stiftungsidee von gesellschaftlichen Organisationen und Privatpersonen in Form von Spenden einwerben – eine Idee, die bereits im Hartz-Konzept angedeutet wurde und die auch Wirtschaftsminister Wolfgang Clement verfolgt. Ob diese Spenden zur Pflicht werden, ist noch offen. Im Konzept von Dückert und Bettin heißt es dazu: „Wer heute gut verdient, hat dies einer guten Ausbildung zu verdanken und kann einen Beitrag für mehr Ausbildung leisten.“

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