Lehrstellen : Geschlossene Lücke

Erstmals seit sieben Jahren gibt es wieder mehr unbesetzte Ausbildungsplätze als Bewerber. Das Problem sei aber nicht generell gelöst, heißt es beim DGB.

Kevin Hoffmann

Berlin - Erstmals seit sieben Jahren verzeichnet die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres keine Lehrstellenlücke. Ende September gab es rechnerisch 5000 Lehrstellen mehr als Bewerber, teilten BA und Spitzenverbände der Wirtschaft am Montag in Berlin mit. Bundesweit standen 14 500 unversorgte Bewerber 19 500 offenen Lehrstellen gegenüber. Im vergangenen Jahr gab es zu diesem Zeitpunkt 14 300 Plätze zu wenig.

In der gesamten Wirtschaft wurden bis Ende vergangenen Monats 539 560 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen – 9200 mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei legte die Zahl in Industrie und Handel um 3,5 Prozent zu. Bei den freien Ausbildungsberufen, also etwa in Arztpraxen, Apotheken, bei Steuerberatern und Kanzleien, ging die Zahl leicht um 0,2 Prozent zurück. Im Handwerk sank sie um 1,6 Prozent, was der Handwerksverband ZDH mit „der dramatisch gesunkenen Zahl der Schulabgänger“ in Ostdeutschland erklärte, wo die Zahl der geschlossenen Verträge um 11,6 Prozent sank, während sie im Westen um 0,4 Prozent stieg.

In Berlin hatten sich bis Ende September insgesamt 27 836 Ausbildungsplatzbewerber bei der BA gemeldet, 21,3 Prozent weniger als 2007. In Brandenburg sank die Zahl der Ausbildungsplatzsuchenden gar um 33 Prozent auf 21 065.

Vor dem Hintergrund des aber insgesamt positiven Saldos bei der Zahl der Lehrstellen zogen Vertreter der Spitzenverbände der Wirtschaft und der drei Bundesministerien für Arbeit, Wirtschaft und Bildung in einer gemeinsamen Erklärung eine positive Zwischenbilanz unter den laufenden Ausbildungspakt. Wirtschaft und Regierung hatten diesen im Sommer 2004 geschlossen und im vergangenen Jahr bis 2010 verlängert. Erklärtes Ziel ist es, jedem ausbildungswilligen und -fähigem Jugendlichen ein Lehrstellenangebot zu machen und den Fachkräftenachwuchs zu sichern. Zugleich verzichtete die damalige Bundesregierung darauf, eine Ausbildungsplatzabgabe für die Unternehmen einzuführen.

„Der Ausbildungspakt zeigt: gemeinsame Anstrengungen lohnen sich. Wir sind uns aber der Herausforderung bewusst, dass es noch zu viele Jugendliche gibt, deren Übergang in Ausbildung nicht, oder nur sehr schwer gelingt“, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) ergänzte: „Wir sind auf dem richtigen Weg, aber wir dürfen in unseren Anstrengungen nicht nachlassen“.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wertete die Zahlen in einer Erklärung als „positives Zeichen“. Das Problem sei aber nicht generell gelöst, weil knapp 81 850 Jugendliche lediglich in „ausbildungsvorbereitende Maßnahmen“ vermittelt wurden. Nach DGB-Berrechnungen fehlten demnach mehr als 187 000 betriebliche Ausbildungsplätze.

München - Die in der Krise steckende Infineon-Tochter Qimonda will sich von gut einem Fünftel ihrer Mitarbeiter trennen. Wie Qimonda am Montag in München mitteilte, sollen bis Sommer nächsten Jahres 3000 von 14 000 Stellen weltweit wegfallen. Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen. Das Unternehmen will so die jährlichen Kosten um 450 Millionen Euro drücken.

Die Zukunft des Unternehmens bleibt weiter ungewiss. Infineon, das noch die Mehrheit an Qimonda hält, räumte in der Nacht zum Montag ein, der geplante Verkauf der Anteile sei ins Stocken geraten. Qimonda-Finanzchef Michael Majerus legte sein Amt nieder. Seine Aufgaben übernimmt zunächst der für das operative Geschäft zuständige Vorstand Thomas Seifert. An der Börse wurden die Nachrichten gut aufgenommen. Die Aktien von Qimonda und Infineon legten um knapp 15 Prozent auf 3,15 Euro zu.

Qimonda hat in den vergangenen Quartalen wegen des massiven Preisverfalls bei Speicherchips nur Verluste eingefahren und auch seiner Mutter Infineon gehörig die Bilanz verhagelt. Infineon, das noch 77,5 Prozent an Qimonda hält, will die defizitäre Tochter daher bis zur Hauptversammlung im kommenden Jahr loswerden. Findet sich kein Käufer, sollen die Aktien als Sonderdividende an die Aktionäre verschenkt werden.

Das Unternehmen verabschiedet sich auch weitgehend aus dem defizitären PC-Geschäft und konzentriert sich künftig vor allem auf Server und Grafikkarten. Um die Bilanz aufzubessern, versilbert Qimonda zudem seinen Anteil in Höhe von 35,6 Prozent an dem taiwanischen Chiphersteller Inotera für 400 Millionen Dollar (296 Millionen Euro) an den US-Konkurrenten Micron.

Von den rund 14 000 Mitarbeitern zählen 12 200 zur Kernbelegschaft, der Rest sind Leiharbeiter. Die Hälfte der 3000 Stellen, die wegfallen entfällt auf die Standorte Dresden, wo rund 3000 Menschen arbeiten, und München (1400 Mitarbeiter). Der Rest soll in Raleigh in den USA gestrichen werden. Noch in diesem Quartal sind dafür Kosten von rund 50 Millionen Euro eingeplant.dpa

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