Wirtschaft : Leichter sehen, was dick macht

Köln/Berlin - Im Kampf gegen Fehlernährung und Übergewicht setzt Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) auf mehr Information für die Verbraucher. Er stellte am Dienstag ein Konzept für Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen vor. Danach sollen die Verbraucher künftig Angaben zum Kaloriengehalt an besonders auffälliger Stelle der Verpackung finden. Auch Informationen zu Fett, Zucker, Salz und gesättigten Fettsäuren sind vorgesehen. Verbraucherschützer und Oppositionspolitiker kritisierten die Leitlinien als zu unverbindlich. Sie fordern eine farbliche Ampel-Kennzeichnung, die etwa auch Kinder und weniger Gebildete verstehen.

Seehofers Leitfaden zu den Nährwertangaben soll unter anderem sicherstellen, dass die freiwilligen Informationen künftig für den Verbraucher leichter verständlich und besser vergleichbar sind. Die Nahrungsmittelkennzeichnung ist Bestandteil des nationalen Aktionsplans zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten, den das Bundeskabinett im Mai beschlossen hatte. Bereits Ende Mai hatten große internationale Lebensmittelkonzerne wie Nestlé, Unilever, Danone, Kraft oder Masterfoods die schrittweise Einführung von Nährwertangaben auf ihren Produkten angekündigt.

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) und der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) begrüßten die von Seehofer vorgestellten Eckpunkte. Wie der Minister sprachen sie sich gegen eine „Ampel“-Kennzeichnung aus. Durch eine solche Variante mit roten, gelben und grünen Punkten würden Lebensmittel falsch bewertet. Auch die Union lehnte eine solche „Ampel“ ab, weil sie Nahrungsmittel in „gut“ und „schlecht“ einteile. Der Verbraucher brauche Information, keine Fernsteuerung. Die Grünen-Ernährungsexpertin Ulrike Höfken bezeichnete eine Kennzeichnung mit rot, gelb und grün dagegen als „sehr gute Möglichkeit, auf Verpackungen sofort den Nährwertgehalt einschätzen zu können“.

Der stellvertretende Geschäftsführer von Foodwatch Deutschland, Matthias Wolfschmidt, hielt Seehofer im Fernsehsender N24 zudem vor, allein freiwillige Regelungen anzustreben. Im Grunde schlage der Minister nur vor, dass die verschiedenen bereits praktizierten Modelle weiter bestehen bleiben könnten. Dabei sei die farbliche „Ampel“-Kennzeichnung „genau das, womit in England die besten Erfahrungen gerade bei Kindern oder bei weniger gut gebildeten Leuten gemacht wurden“. AFP

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