Leiharbeit : "Ein schmaler Steg, keine Brücke"

Ernüchternd. So lautete in einem Wort zusammengefasst das Fazit einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), die klären sollte, wie häufig Leiharbeit zu regulären Beschäftigungsverhältnissen führt.

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Dafür überprüfte die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit die Lebensläufe von Menschen, die im Jahr 2006 als Leiharbeiter tätig waren. Von diesen waren in den zwei Jahren vor 2006 rund 25 Prozent mindestens ein Jahr ohne Arbeit. In den zwei Jahren nach 2006 fiel ihr Anteil auf 17 Prozent. Ein Unterschied von gerade mal sieben Prozentpunkten.

Die Linke, der die Leiharbeit als Jobkiller gilt, reagiert prompt: „Leiharbeit führt zu massiven Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt und ist alles andere als ein Jobmotor“, kommentiert die Sprecherin für Arbeit und Mitbestimmung, Jutta Krellmann, die Studie. Joachim Möller, Direktor des IAB, formulierte es etwas positiver: „Leiharbeit ist zwar keine Brücke, aber zumindest ein schmaler Steg in Beschäftigung“, sagte er, als er die Studie am Dienstag in Berlin vorstellte. An der Sinnhaftigkeit des Angebots zweifelt das IAB trotz allem nicht. Leiharbeit sei ein niedrigschwelliger Einstieg in den Arbeitsmarkt und habe „die Funktion, Unternehmen atmen zu lassen“.

Dabei ist zu vermuten, dass die Studie noch vergleichsweise positiv ausfiel. Weil der krisenbedingte Einbruch der Leiharbeit erst im Herbst 2008 einsetzte, konnte er die Ergebnisse nicht mehr negativ beeinflussen. Bis April 2009 war die Zahl der Leiharbeiter auf 582 000 gefallen, nachdem sie im Juli 2008 noch auf einem Höchststand von 823 000 lag.

Doch mit dem Auslaufen der Krise nimmt die Zahl der Leiharbeiter jetzt wieder zu. Derzeit gibt es laut IAB gut 750 000 Menschen, die von Leiharbeitsfirmen eingesetzt werden, was rund zwei Prozent aller Jobs entspricht. In der Regel sind sie drei Monate beschäftigt.

„Seit etwa März ist ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen“, bestätigt eine Sprecherin des IAB. Dazu passt der ebenfalls am Dienstag von der Bundesagentur für Arbeit (BA) veröffentlichte Beschäftigungsindex, der im Juni um drei auf 158 Punkte geklettert ist. „Die Nachfrage hat sich vom krisenbedingten Einbruch nahezu erholt“, sagte die BA. Etwa jede dritte Stelle böten Leiharbeitsunternehmen an, nachdem dort bereits im Herbst 2009 erste Impulse gekommen waren.

Eine Umfrage unter Unternehmen und Gewerkschaften untermauert die gestiegene Nachfrage von Leiharbeitern jedoch nicht. Sowohl Siemens als auch die IG Metall erklärten, nicht beobachtet zu haben, dass derzeit mehr Zeitarbeiter beschäftigt werden. „Einen generellen Trend können wir nicht bestätigen“, sagte eine Sprecherin von Siemens, ein IG-Metall-Sprecher erklärte, man befürchte lediglich, dass die Leiharbeit mit jedem Schritt aus der Krise wieder anziehen könnte – auf Kosten von regulären Beschäftigungsverhältnissen. Auch beim Schienenfahrzeug- und Flugzeugbauer Bombardier sieht man derzeit keinen Bedarf nach mehr Leiharbeitern. „In einigen unserer acht Standorte in Deutschland haben wir noch Kurzarbeit“, sagte ein Sprecher. Das werde auch noch bis zum kommenden Jahr so bleiben.

Wegen der im April 2011 auslaufenden Begrenzung der Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU sprach sich das IAB für Mindestlöhne in der Branche aus. „Wenn Firmen aus osteuropäischen Staaten uneingeschränkt auch in Deutschland tätig werden können, brauchen wir eine Lohnuntergrenze“, sagte Möller.

Der Bundesverband Zeitarbeit (BZA) kritisierte die Studie. BZA-Präsident Volker Enkerts erklärte, der Erfolg der Leiharbeit bemesse sich nicht daran, wie viele Zeitarbeitnehmer von Kundenfirmen übernommen werden. „Unsere Hauptfunktion besteht darin, den flexiblen Bedarf von Kundenunternehmen an passend qualifizierten Beschäftigten zu bedienen und kein reines Sprungbrett zu anderen Unternehmen zu sein.“ Moritz Honert

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