Wirtschaft : Leiharbeiter bei Audi bekommen Tarifvertrag Adecco zahlt Löhne wie in der Metallbranche

Ingolstadt / Berlin - Die IG Metall und die Zeitarbeitsfirma Adecco haben sich auf einen Tarifvertrag für die Leiharbeiter bei Audi geeinigt. Sie hätten nun Anspruch auf das Tarifniveau der bayerischen Metall- und Elektroindustrie, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer am Freitag. „Audi, Adecco und IG Metall haben gezeigt, dass es geht. Es ist höchste Zeit, dass nun auch andere Unternehmen diesem Beispiel folgen und Leiharbeitskräfte nicht weiter mit Hungerlöhnen abspeisen“, sagte der Metaller.

Nach der neuen Vereinbarung bekommen Mitarbeiter von Adecco in den ersten drei Monaten bei Audi einen Stundenlohn von 13,70 Euro. Danach erhöht sich das Einkommen auf 14,43 Euro. Zudem wurden unter anderem Regelungen für Heimfahrten und bei Übernachtung in Ingolstadt vereinbart. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit Audi einen Partner haben, der unser Bestreben teilt, sich für ein ausgeglichenes Lohnniveau zwischen Stammpersonal und flexiblen Arbeitskräften zu engagieren“, sagte Adecco-Deutschlandchef Uwe Beyer laut Mitteilung. Audi setzt in Ingolstadt bei Auftragsspitzen bis zu fünf Prozent Leiharbeiter ein.

Das Thema Leiharbeit wird bei den Gewerkschaften und insbesondere der IG Metall mit großer Skepsis verfolgt. Die Befürchtungen gegen dahin, dass die Billigkräfte massiv eingesetzt werden, die Stammbelegschaft verdrängen und grundsätzlich das Lohnniveau drücken. In der Industrie sind die meisten der knapp 700 000 Leiharbeiter beschäftigt, Schätzungen gehen von einer Million Leiharbeitnehmern im Jahr 2010 aus. Vor allem in Großbetrieben, wo die IG Metall stark vertreten ist, drängt sie auf eine Begrenzung der Leiharbeit.

Bei Daimler-Chrysler zum Beispiel dürfen die Leiharbeiter nicht mehr als vier Prozent der Belegschaft ausmachen. Und in Nordrhein-Westfalen hat die IG Metall mit zahlreichen Firmen Vereinbarungen getroffen, wonach die Leiharbeitnehmer genauso bezahlt werden wie die „eigenen“ Beschäftigten. Wenn sich die Firmen gegen solche Vereinbarungen sperren, kann der Betriebsrat die Zustimmung zur Einstellung der Leihkräfte verweigern. Alles in allem liegt der Anteil der Leiharbeit in Deutschland mit knapp 1,5 Prozent unter dem westeuropäischen Durchschnitt. In Großbritannien sind es fünf und in den Benelux-Staaten mehr als zwei Prozent. dpa/alf

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben