Wirtschaft : Leinwand im TV-Format

Ohne die Fernsehsender geht beim deutschen Film wenig

Ulrike Simon

Im vergangenen Jahr hat der Sender Sat1 exakt 6896 Stunden eigenproduziertes Programm ausgestrahlt. Das entspricht 79 Prozent des Gesamtprogramms. Den Löwenanteil machen Serien, Sportsendungen oder Quizshows aus, also günstig zu produzierendes Programm, zumindest aber Sendungen, die auf ihrem festen Sendeplatz fest kalkulierbare Zuschauerquoten erzielen.

Doch auch Fernsehfilme gehören dazu. Sie stellen im besten Fall Höhepunkte im Programm dar, strahlen auf das Image des Senders ab und fesseln die Zuschauer. Dafür sind allerdings die Kosten und der Produktionsaufwand um ein Vielfaches höher. Entsprechend differenziert sind die Produktionsverhältnisse von Filmen.

Dreht es sich nicht gleich um Lizenzware, die im Paket gekauft wird, handelt es sich meist um Eigenproduktionen. So kommt Pro 7 pro Jahr auf 15 und Sat 1 auf 18 bis 20 eigenproduzierte Filme: Der Sender arbeitet für diese Filme mit einer Produktionsfirma zusammen, die ihm dafür, dass er alle Kosten übernimmt, sämtliche Rechte überlässt. Der Anteil der Gemeinschaftsproduktionen beträgt rund 43 Prozent (siehe Grafik).

Die zweite Kategorie sind koproduzierte Fernsehspielfilme, für die sich gleich mehrere Partner zusammentun. Das können Sender sein – im Fall des Fünfteilers „Kanzleramt“ etwa ARD und Arte. Dazu gehören aber auch Event-Movies wie „Das Wunder von Lengede“ von Sat 1. Im Regelfall übernimmt hier der Sender 50 bis 70 Prozent der Kosten, der Produzent selbst fünf bis zehn Prozent, dazu kommen Fördergelder. Ähnlich sieht das bei den Projekten aus, die zurzeit vorbereitet werden: Etwa „Die Hexe vom Prenzlauer Berg“, die von X Filme produziert und vom Medienboard gefördert wird; oder der von Teamworx produzierte Zweiteiler „Die Luftbrücke“, ebenfalls mit Mitteln des Medienboards.

Die dritte Kategorie sind Kinokoproduktionen. Im Grundsatz gilt für Kinokoproduktionen, dass ein Sender diese Filme drei Mal ausstrahlt und dafür schon zu Beginn des Drehs etwa ein Drittel der Kosten zahlt. So brachte das ZDF im vergangenen Jahr fünf Millionen für Kinoproduktionen auf; eine Summe, die die Mainzer für das laufende Jahr auf acht Millionen erhöht haben. Gemeinsam sechs bis acht Kinokoproduktionen leisten sich Pro 7 und Sat 1. Eine davon ist das „Wunder von Bern“, das Sat 1 mit 1,64 Millionen Euro gefördert hat, um diesen Film nach der Verwertung im Kino, über DVD und Video zur zuschauerstarken Primetime ausstrahlen zu können.

Diese Fördergelder, die aus Eigennutz geleistet werden, zahlen die Sender zusätzlich zu jenen, die sie in die Landesfilmförderungen und in die Filmförderanstalt (FFA) einzahlen. Auf diese Weise kommt zum Beispiel das ZDF nach eigenen Angaben auf die Gesamtsumme von rund 16 Millionen Euro, die in diesem Jahr in die Filmförderung fließen. Das ist deutlich mehr als 2003 – was an den geänderten Abkommen liegt, die die Sender mit der FFA im Zuge des neuen Filmfördergesetzes abgeschlossen haben. So zahlen ARD und ZDF in diesem Jahr elf Millionen Euro, die Privaten gemeinsam zwölf Millionen an die FFA. Doch nur ein Teil wird bar bezahlt, der andere wird in Form von Medialeistung erbracht. Das bedeutet, dass ARD und ZDF 2004 im Wert von 3,9 Millionen Euro Werbespots für Kinofilme ausstrahlen. Für sieben Millionen werben die Privatsender für Kinofilme. Darunter auch für jene Koproduktionen, die sie später im eigenen Programm ausstrahlen. Und da schadet es ja nicht, mitzuhelfen, einen Film zum Kassenschlager zu machen. Die Quote eines „Schuh des Manitu“ war als Fernsehpremiere bei Pro 7 schließlich auch ein Erfolg.

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