Wirtschaft : „Leistung, die Leiden schafft“

NGOs kritisieren die Geschäfte der Deutschen Bank.

von
Milliarden für Munition. Nichtregierungsorganisationen (NGOs) werfen der Deutschen Bank vor, etwa durch Kredite oder Anteile an Firmen wie Lockheed Martin die Herstellung von Waffen zu fördern.Foto: Reuters
Milliarden für Munition. Nichtregierungsorganisationen (NGOs) werfen der Deutschen Bank vor, etwa durch Kredite oder Anteile an...Foto: REUTERS

Berlin - Seine Hände und Beine hat Branislav Kapetanovic verloren, durch eine Streubombe. Der damalige Minenräumer für die serbische Armee suchte nach Blindgängern, als einer explodierte und ihn fast tötete. Umso mehr will Kapetanovic, der heute im Rollstuhl sitzt, seine Stimme nutzen. Er protestiert im Rahmen einer internationalen Kampagne gegen alle, die Streubomben herstellen, finanzieren oder einsetzen – das nächste Mal am kommenden Donnerstag, auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank.

Kapetanovic und andere Kritiker, die sich im Bündnis „Andere Banken braucht das Land“, zusammengeschlossen haben, wollen auf der Aktionärsversammlung das Ende der Ära Ackermann für eine Abrechnung mit Deutschlands größtem Geldhaus nutzen. Sie werfen der Deutschen Bank vor, unter der Führung des Schweizers trotz anderslautender Bekenntnisse Geschäfte mit Waffenherstellern gemacht zu haben, die etwa Streubomben oder Atomwaffen produzieren. „Allein zu den fünf weltweit größten Waffenherstellern und Exporteuren unterhält die Deutsche Bank Geschäftsbeziehungen in einer Größenordnung von mehr als drei Milliarden Euro“, sagte Thomas Küchenmeister von der Organisation „Facing Finance“ am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des Berichts „Die düstere Bilanz der Ära Ackermann – Leistung, die Leiden schafft“. Bei Streumunitionsherstellern seien es 500 Millionen Euro, durch Anteile, Kredite oder Anleihen.

Allerdings prüften die Organisationen nicht, in welche Unternehmensbereiche investiert wurde. Unter den Firmen sind auch Konzerne wie Airbus und Boeing, die zwar Waffen, aber in erster Linie Flugzeuge für die zivile Luftfahrt herstellen. Den Ausstiegsbekundungen bei der Finanzierung von Streumunition seien keine Taten gefolgt, kritisiert Kapetanovic.

Die Deutsche Bank wies die Vorwürfe zurück. Es gebe bereits seit 2008 eine „No Go Policy“ für Streubomben: „Deren Herstellung, Verbreitung und Handel werden von uns nicht finanziert. Die Deutsche Bank hat darüber hinaus im Herbst 2011 diese Policy verschärft und entschieden, dass sie Geschäftsbeziehungen zu Unternehmen einstellen wird, die neben vielen anderen Produkten auch Streubomben produzieren.“ Neue Geschäfte mit solchen Unternehmen kämen nur infrage, wenn die Kunden sich verpflichteten, so schnell wie möglich aus diesem Geschäftsbereich auszusteigen.

Auch gegen die preistreibende Spekulation mit Nahrungsmitteln will das Bündnis am Donnerstag auf der Hauptversammlung protestieren. Die Bank gehöre durch die Wetten auf Agrarrohstoffe weiter zu den „Hungermachern“ der Welt, kritisierte die Organisation Foodwatch. Bisher sei außer Ankündigungen, die Vorwürfe zu prüfen, nichts passiert, sagte Foodwatch-Experte Matthias Wolfschmidt. Die Deutsche Bank wies die Vorwürfe zurück. Sie habe bereits im März angekündigt, keine neuen börsengehandelten Anlageprodukte auf Grundnahrungsmittel mehr aufzulegen. Grundsätzlich unterstütze die Bank die Bemühungen der größten 20 Industrie- und Schwellenländer für mehr Regulierung und Transparenz. Jahel Mielke

0 Kommentare

Neuester Kommentar