Leitmesse : Biobranche sieht Finanzkrise als Chance

Die Biobranche sieht gute Chancen, ohne größere Blessuren durch die Finanzkrise zu kommen - wenn sich die Produzenten auf alte Ideale rückbesinnen und damit das Vertrauen der Käufer gewinnen können.

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Ilse Aigner (r.), Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, und die dänische Landwirtschaftsministerin...Foto: ddp

NürnbergTrotz der schlechten Wirtschaftsnachrichten funktioniere der Ökomarkt, und es gebe Anlass, mit Zuversicht ins nächste Jahr zu schauen, sagte der Vorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein, am Donnerstag auf der Leitmesse Bio-Fach in Nürnberg. Das vergangene Jahr sei sehr erfolgreich gewesen. So wuchs der Bio-Sektor laut BÖLW-Zahlen um zehn Prozent und verbuchte insgesamt einen Umsatz von 5,8 Milliarden Euro.

Mehr als 100 neue Bio-Supermärkte und größere Naturkostläden wurden 2008 in Deutschland eröffnet, hieß es vom Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) Herstellung und Handel. Die Finanzkrise könnte den Biohändlern sogar ein Umsatzplus bringen, hofft BNN-Geschäftsführerin Elke Röder: "In Krisenzeiten suchen die Menschen nach Verlässlichkeit." Durch die Wirtschaftskrise hätten sich schon jetzt gesellschaftliche Werte verändert. Die Menschen würden erkennen, dass es sich langfristig auszahle, ökologisch hergestellte Produkte mit hoher Qualität zu kaufen, die zudem Arbeitsplätze in der Region sicherten.

Aigner: Biomarkt ist Wachstumsmarkt

EU-Landwirtschaftskommissarin Mariann Fischer Boel mahnte Hersteller und Händler, noch stärker um das Vertrauen der Verbraucher zu werben. Die ganze Branche müsse sich an der Entwicklung des für 2010 geplanten, EU-weit einheitlichen Öko-Logos beteiligen, sagte sie bei der Eröffnung der Bio-Fach. "Wir müssen den Konsumenten glaubwürdig versichern, dass da, wo Bio draufsteht, auch Bio drin ist."

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) versprach, auch künftig Geld für die Weiterentwicklung des ökologischen Landbaus zur Verfügung zu stellen. "Der Biomarkt ist ein Wachstumsmarkt", sagte Aigner. Mittlerweile sei die Palette von Bioprodukten sehr breit: "Bei der Pflege von Leib und Seele setzen immer mehr Menschen auf Produkte aus natürlichem Anbau. Wer zum Bioapfel greift, möchte auch bei Cremes nicht auf Bio verzichten."

Trotz allem Optimismus für die Zukunft warnt die Branche aber auch davor, alte Ideale aus der Gründungszeit der Naturkost-Bewegung zu vergessen. Vor allem die Bio-Handelsmarken in den Supermärkten sagten nichts mehr über die Herkunft oder Herstellung der Produkte aus, sagte Volker Krause vom BNN. Mit einem neuen Kodex will der BNN deshalb dafür sorgen, dass sich Unternehmen der Branche nicht ausschließlich von betriebswirtschaftlichen Entscheidungen leiten lassen, sondern weiterhin Produktionsbedingungen und Umweltschutz in den Mittelpunkt stellen.

Jorberg: Biobranche kann Vorbild für andere sein

In der Wirtschaftskrise könne die Biobranche auch Vorbild für viele andere Branchen sein, sagte Thomas Jorberg, Vorstandschef der sozialökologisch orientierten GLS Bank. Die Naturkostbranche habe vorgemacht, wie ökologisches, soziales und ökonomisches Wirtschaften miteinander verbunden werden könnten, erklärte er. Durch die Finanzkrise hätten viele Menschen erkannt, dass die bisherige Form des Wirtschaftens bei Banken und Unternehmen auch ökonomisch nicht mehr tragbar sei.

Bei der Bio-Fach und der angeschlossenen Kosmetik-Messe Vivaness in Nürnberg zeigen rund 2720 Aussteller Neues vom Biomarkt. Bis zum 22. Februar werden zu der weltgrößten Messe dieser Art 46.000 Fachbesucher erwartet. Schwerpunkte sind in diesem Jahr neben Lebensmitteln auch Öko-Kleidung und fair gehandelte Produkte. (imo/dpa)

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