Leitzins bleibt bei 0,05 Prozent : EZB-Präsident Draghi hält Geld im Euro-Raum billig

In den USA hatte die Notenbank zuletzt die Zinswende eingeleitet. Im Euro-Raum ist das nicht in Sicht - im Gegenteil.

Mario Draghi wird nach Einschätzung von Experten nicht allzu konkret werden in den kommenden Monaten.
Mario Draghi wird nach Einschätzung von Experten nicht allzu konkret werden in den kommenden Monaten.Foto: Francois Lenoir/REUTERS

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrem Kurs des extrem billigen Geldes unverändert fest. Der Leitzins im Euro-Raum bleibt auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat nach Angaben der Notenbank am Donnerstag in Frankfurt. Der Strafzins für Geld, das Banken über Nacht bei der Notenbank parken, beträgt weiterhin 0,3 Prozent.

Erst im Dezember hatten die Währungshüter im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euro-Raum nachgelegt. Das vor allem in Deutschland umstrittene milliardenschwere Programm zum Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren wurde um ein halbes Jahr bis März 2017 verlängert. Zudem verschärfte die EZB den Strafzins.

Analysten: Draghi hält sich alle Optionen offen

Doch weil die Inflation trotz der Maßnahmen nach wie vor nur knapp über der Nullmarke dümpelt - für Dezember ermittelte das EU-Statistikamt Eurostat 0,2 Prozent - wurden bereits wieder Hoffnungen auf eine Ausweitung der EZB-Geldschwemme laut.

Das viele billige Geld soll über Banken als Kredite bei Unternehmen und Verbrauchern ankommen und die Wirtschaft anschieben. Zudem soll die Geldflut die Inflation wieder in Richtung der Zwei-Prozent-Marke treiben, bei der die EZB die Preisstabilität gewahrt sieht. Ökonomen halten dauerhaft niedrige Preise für eine Konjunkturgefahr: Verbraucher und Firmen könnten Investitionen in Erwartung weiter sinkender Preise aufschieben. Doch trotz des vielen billigen Geldes ist die Inflation weiterhin im Keller, die Konjunktur im Euroraum erholt sich nur schleppend.

US-Notenbank hat Zinswende eingeleitet

Die meisten Volkswirte rechnen damit, dass sich EZB-Präsident Mario Draghi weiterhin alle Optionen offenhalten wird, es aber vermeiden wird, eindeutige Signale zu senden. Vor der Dezember-Sitzung waren die Erwartungen derart in die Höhe geschnellt, dass viele Marktteilnehmer im Nachhinein enttäuscht reagierten.

Die US-Notenbank Fed hatte im Dezember die geldpolitische Wende eingeleitet und den Leitzins auf ein neues Niveau von 0,25 bis 0,5 Prozent angehoben. Damit werden Anlagen in den USA wieder attraktiver, zumal noch weitere geldpolitische Schritte nach oben im laufenden Jahr erwartet werden. (dpa/rtr)

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