Wirtschaft : Leitzinsen: Experten erwarten für Donnerstag keine EZB-Senkung

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird am Donnerstag nach nahezu einhelliger Einschätzung von Analysten trotz Anzeichen einer konjunkturellen Abschwächung in der Euro-Zone die Leitzinsen unverändert lassen. Sowohl das Inflationsniveau als auch das Geldmengenwachstum ließen der EZB keinen Spielraum für eine Zinssenkung. Zahlreiche EZB-Vertreter hatten zuletzt die abwartende geldpolitische Haltung der Notenbank bekräftigt.

Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, rechnet von 50 Volkswirten lediglich einer mit einer Zinssenkung am Donnerstag, zwei zeigten sich unentschlossen. Die übrigen Volkswirte prognostizierten eine Beibehaltung des Schlüsselzinses von 4,75 Prozent. Knapp die Hälfte der Befragten erwartet eine Zinssenkung erst im dritten Quartal. Als wichtigsten Grund für ihre Skepsis führen die Experten an, die Inflationsgefahren seien nicht aus der Welt. Eine Rezession in den USA, die sich auch auf die Euro-Zone auswirken könne, sei keine ausgemachte Sache. "Wenn sie kommt, könnte selbst eine Politik à la Fed uns nicht vollständig vor den Folgen bewahren", heißt es in einer Studie der Commerzbank.

Die konjunkturelle Entwicklung in der Euro-Zone erfordert nach Einschätzung zahlreicher Händler dennoch baldige Zinssenkungen. Die EZB hat bisher als einzige große Notenbank noch nicht mit niedrigeren Zinsen auf die lahmende Weltkonjunktur reagiert. Bei nachlassender Inflation kann die EZB die Zinsen nach Einschätzung von Uwe Angenendt von der BHF Bank bis Jahresende noch um 75 Basispunkte senken. "Die Konjunktur zu stabilisieren, gehört für die EZB zur Kür", sagte dagegen Jürgen Michels vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Im Moment muss die Zentralbank seiner Meinung nach aber ihre Pflicht erfüllen, also die Preisstabilität garantieren. "Schaut man auf Inflation und Geldmenge, müsste die EZB sogar um 25 Basispunkte nach oben gehen", sagte Lothar Frank von Paribas. Einen solchen Schritt könne sich die Zentralbank beim derzeitigen konjunkturellen Umfeld aber nicht leisten, sagte Frank weiter.

Die geldpolitische Strategie der EZB fußt auf zwei Säulen. Das Geldmengenwachstum bildet die erste Säule, die zweite Säule besteht aus einer breiten Beurteilung der Inflationsaussichten. Sowohl die Entwicklung beider Säulen, als auch das wirtschaftliche Wachstum bieten der EZB keinen Anlass, von ihrer neutralen Linie abzuweichen.

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