Wirtschaft : Leo Kirch geht in die Offensive

Medien-Unternehmen legt erstmals Zahlen vor / Aber keine Angaben über Schulden

MÜNCHEN (tmh/rtr/dpa)."Über Leo Kirch schreibt man viel, aber Leo Kirch zahlt immer seine Rechnungen." Mit diesen Worten kommentierte Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn jetzt anhaltende Spekulationen über angebliche Finanznöte des Kirch-Imperiums.Zusammen mit sechs Management-Kollegen trat Hahn erstmals in der Geschichte der Kirch-Gruppe an, um sich der Wirtschaftspresse zu stellen.Firmenchef und Alleineigentümer Leo Kirch fehlte jedoch. Allzu große Hoffnungen auf eine neue Offenheit des Medienhauses dämpfte Hahn zwar, nannte aber zumindest Eckdaten.Demnach erwirtschaftet die Gruppe bei stabiler Ertragslage vor Steuern eine "satte" zweistellige Umsatzrendite.Allein im Handel mit Film- und Fernsehrechten setze sie über eine Mrd.DM jährlich um.Damit sei Kirch ein international führender Programmhändler, sagte Geschäftsführer Jan Mojto.Zur Verschuldung der Gruppe, die in Bankenkreisen auf 3 Mrd.DM beziffert wird, wollten sich die Manager aber nicht äußern.Den Schulden stünden im übrigen Beteiligungswerte von rund 5 Mrd.DM gegenüber.Dazu komme ein Buchwert der Programmvermögen von knapp 3 Mrd.DM.Die Gruppe sei solide finanziert.Schaden richte eher das "Dunkelmann-Image" an, das Kirch angedichtet werde, so Hahn. Allein in den Ankauf von Filmrechten investiere Kirch jährlich rund eine Mrd.DM, hieß es weiter.In die Produktion von Filmen fließen 1,5 Mrd.DM per anno.Weitere Milliardensummen verschlinge der Aufbau des digitalen Bezahl-Fernsehens.Durch das Firmenvermögen von insgesamt weit über 8 Mrd.DM sei diese Stufe der Geschäftsausweitung aber abgesichert.Rund die Hälfte aller Investitionen stamme aus Eigenmitteln.Kirch habe "immer Alternativen", betonten die Manager. Dennoch kommt auf den Medienkönig einiges zu: Allein bis Ende 1997 dürfte das digitale Pay-TV Kirch eine Mrd.DM kosten.Bis zum Jahr 2001 muß er zusammen mit dem neuen Partner CLT-Ufa (Bertelsmann) weitere 2 bis 2,5 Mrd.DM für diesen Zukunftsmarkt aufbringen.Dann könnten bei einer Schwelle von rund drei (derzeit 1,5) Millionen Abonnenten erste Gewinne im digitalen Pay-TV anfallen.Premiere und DF 1 sollen "so eng wie möglich zusammenrücken", betonte Kirch-Manager Gottfried Zmeck.DF 1 mit inzwischen 50 000 Abonnenten dürfte ab Oktober 1997 in die Telekom-Kabelnetze eingespeist werden.Ob die jüngst vereinbarte Allianz zwischen Kirch, CLT-Ufa und Telekom kartellrechtlich zulässig sei, werde wohl in Brüssel entschieden.Mit einer Zustimmung rechnen die Kirch-Manager bis Jahresende. Die Kirch-Gruppe allein beschäftigt 1400 Mitarbeiter.Zu den Beteiligungen zählen gut 40 Prozent an der Axel Springer AG sowie Anteile an den TV-Sendern Sat 1 und Premiere.Eine finanzielle Verbindung zu Pro 7, das von Kirch-Sohn Thomas beherrscht wird, stritten die Manager ab.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben