Wirtschaft : Leo Kirch kann den Haffas nicht helfen

Auftritt im Strafprozess vor dem Münchener Landgericht schafft keine Klarheit über umstrittene EM.TV-Geschäfte

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München (nad). Es war sein erster öffentlicher Auftritt seit dem Zusammenbruch seines Medienkonzerns im Frühjahr dieses Jahres. Begleitet von großem Medieninteresse erschien Leo Kirch am Montag vor dem Münchner Landgericht, um im Strafprozess gegen EM.TVGründer Thomas Haffa und dessen Bruder Florian auszusagen. Doch was Kirch während der knapp eineinhalbstündigen Vernehmung zu sagen hatte, konnte die Haffas, die seit einer Woche wegen des Vorwurfs des Kursbetrugs vor Gericht stehen, nicht wirklich entlasten.

In der zentralen Frage nach einem umstrittenen Geschäft mit der Zeichentrickserie „Die Simpsons" bestätigte der 76-Jährige zwar, dass er und Thomas Haffa im Sommer 2000 grundsätzlich vereinbart hätten, dass Kirch-Media knapp 250 Folgen der Zeichentrickserie an EM.TV verkaufen wolle. Kirch konnte jedoch nicht bestätigen, dass es eine feste Zusage des früheren Kirch-Senders Pro Sieben über den millionenschweren Kauf der „Simpsons“-Folgen gegeben habe.

„Thomas ist ein optimistischer Mensch und hat sicher geglaubt, dass er das Geschäft mit Pro Sieben noch im Jahr 2000 abschließen kann“, sagte Kirch, der ohne Anwalt und nur mit einer Assistentin vor Gericht erschienen war. Für ihn selbst habe kein Zweifel bestanden, dass er die Folgen liefern könne. Kirchs Stellvertreter bei Kirch-Media und ProSieben-Aufsichtsratschef Dieter Hahn betonte jedoch am Montag als weiterer Zeuge, es habe sich bei den Verhandlungen zwischen Pro Sieben und EM.TV nicht um ein abgeschlossenes Geschäft gehandelt: „Dass es eine Einigung gegeben hat, ist mir nicht bekannt“, sagte Hahn.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Haffas vor, die Anleger mit optimistischen Gewinnprognosen und angeblichen Großaufträgen noch bis zum November 2000 über die prekäre Lage des Unternehmens getäuscht zu haben. Erst im Dezember 2000 hatte EM.TV eine Gewinnwarnung gegeben. Noch kurz zuvor hatten die Haffas erklärt, EM.TV werde einen Jahresgewinn von etwa 262 Millionen Euro erreichen. Tatsächlich entstand im Jahr 2000 ein Verlust von 1,4 Milliarden Euro. Das geplante Geschäft mit der „Simpson“-Serie war von EM.TV als wichtig für die Geschäftsentwicklung eingestuft worden.

Thomas und Florian Haffa hatten ausgesagt, sie hätten das Geschäft mit den „Simpsons“ über 100 Millionen Euro noch im Jahr 2000 abschließen wollen. Hahn belastete die Haffas weiterhin mit der Aussage, EM.TV sei bereits im November 2000 in finanziellen Nöten gewesen. „Das Geschäft lief schwierig“, sagte Hahn.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Haffa- Brüdern darüber hinaus vor, im ersten Halbjahr rund 30 Millionen Euro Umsatz aus einem Vertrag zwischen EM.TV und Junior-TV – einem Gemeinschaftsunternehmen von Kirch und EM.TV – verbucht zu haben, obwohl dieser erst im Herbst schriftlich geschlossen wurde. Hier konnte Leo Kirch den Haffa-Brüdern Rückendeckung geben. „Ich habe den Vertrag bei meinem Treffen im Juni 2000 mit Thomas besprochen. Für mich war der Vertrag vollzogen“, sagte Kirch. Mündliche Verträge seien in der Branche nichts Ungewöhnliches. „Es kam auf alle Fälle vor. Aber es war nicht die Regel“, schränkte Kirch ein. Der 76-Jährige betonte vor Gericht, Thomas Haffa sei für ihn ein enger Mitarbeiter und guter Freund gewesen. Er habe Haffa allerdings seit Monaten nicht mehr gesehen oder gesprochen.

Kirch gilt als Mentor Thomas Haffas. Er hatte ihn 1979 in sein Unternehmen geholt und ließ ihn das Videogeschäft alleine aufbauen. Nachdem sich Haffa 1989 mit EM.TV selbstständig gemacht hatte, blieben er mit Kirch weiterhin über Junior TV verbunden. Getrübt wurde das Verhältnis erst, als EM.TV vor zwei Jahren bei der Tele München Gruppe einstieg, der Firma von Kirchs Erzrivalen Herbert Kloiber.

Dennoch verlor Kirch vor Gericht kein böses Wort über Haffa. Haffa sei ein „sehr viel besserer Verkäufer“ gewesen als er. „Ich hab es eher für möglich gehalten, dass Thomas mich kauft, als dass ich ihn übernehme“, sagte Kirch, der mehrfach für Heiterkeit im überfüllten Gerichtssaal sorgte. Der fast blinde Unternehmer hatte sich von einer jungen Frau auf seinen Platz führen lassen. „Ich kann nichts sehen, ich kann Sie nur hören. Ich kann seit 25 Jahren weder eine Zeitung noch die Überschrift einer Zeitung lesen, noch ein Buch“, erklärte er den Richtern.

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