Wirtschaft : Leo Kirch verzichtet auf Millionenkredit

Medienzar will kein Geld mehr von der Staatsbank LfR / Berichte über Finanzrisiken dementiert BERLIN/MÜNCHEN (hej/dpa).Leo Kirch schlägt zurück: Wegen der "unsachlichen öffentlichen Diskussionen" über den Millionenkredit der bayerischen Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) will nun der Medienzar seinerseits auf das umstrittene Darlehen verzichten.Kirch-Sprecher Johannes Schmitz nannte die Diskussionen der vergangenen Tage "hysterisch" und "völlig überzogen".Es habe sich um einen normalen Finanzierungsvorgang gehandelt und keinesfalls um einen Kredit zu Sonderkonditionen, betonte Schmitz.Nicht Kirch sondern die anderen Geschäftsbanken, die sich an dem Konsortialkredit beteiligen wollten, hätten die LfA zur Teilnahme an der Finanzierung eingeladen.Nach Informationen aus Wirtschaftskreisen sollte sich die Wirtschaftsförderbank des Freistaates mit rund 500 Mill.DM an einem geplanten Milliardenkredit für den Münchner Unternehmer beteiligen.Die bayerische Opposition hatte die LfA-Beteiligung als staatliche Sanierungshilfe für Kirch, der als unionsnah gilt, abgelehnt.Aber auch die CSU-geführte Landesregierung hatte zuletzt Bedenken gezeigt.So hatte Ministerpräsident Stoiber den Vorgang zur Chefsache erklärt und betont, Entscheidungen würden erst dann getroffen, wenn er nach seinem Urlaub eingehend informiert worden sei. Dem ist Kirch nun zuvorgekommen.Mit Ausnahme eines 4600 DM hohen Studiendarlehens habe er niemals staatliche Beihilfen oder Subventionen erhalten, beteuert der Medienmogul.Es sei schon sehr abenteuerlich, wenn das Unternehmen nun als eine Art "Subventionsbetrüger" dargestellt werde, kritisierte der Geschäftsführer der Kirch-Gruppe, Dieter Hahn, in einem dpa-Gespräch."Für uns ist der Verzicht kein Verlust", so Hahn, die Kirch-Gruppe habe beste Bankbeziehungen und dadurch genug andere Möglichkeiten.Einzelheiten wollte man aber nicht nennen: "Bankgeschäfte sind vertraulich", so Sprecher Schmitz. Auch zu neuen Gerüchten über wachsende finanzielle Schwierigkeiten der Kirch-Gruppe wollte sich Schmitz nicht weiter äußern."Das sind abenteuerliche Zahlenspielereien", dementierte er einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", nach dem Kirchs Pay-TV-Sender DF1 bis zu 6 Mrd.DM an Verlusten einspielen könnte.Das Magazin beruft sich dabei auf eine interne Studie des Bertelsmann-Konzerns, die ernsthafte Finanzrisiken beim Konkurrenten sieht.So schätzt der Gütersloher Medienkonzern den Angaben zufolge die Anlaufverluste von DF1 auf rund 500 Mill.DM.1996 habe das Abonnementfernsehen sein Ziel deutlich verfehlt.Statt der geplanten 200 000 habe man im Dezember nur 12 000 zahlende Kunden vorweisen können, heißt es in dem Bericht weiter.Kirch brauche dringend einen Partner, da die Finanzierung der zu erwartenden Gesamtverluste von bis zu 6 Mrd.DM die Zahlungsfähigkeit der Kirch-Gruppe gefährden könne. Rückenwind könnte das digitale Pay-TV DF1 jedoch bekommen, wenn das Programm künftig nicht mehr nur über Satellit sondern auch über das private Kabelnetz verbreitet wird.Der Verband privater Kabelnetzbetreiber, dessen Mitglieder knapp 17 Millionen Kabelhaushalte versorgen, teilte mit, die Verhandlungen mit Kirch über eine Einspeisung verliefen sehr positiv.Dagegen scheinen die Gespräche mit der Deutschen Telekom auf der Stelle zu treten.

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