Wirtschaft : Lernen lebenslang

Vom Sprachkurs bis zum MBA-Studium: Auch Manager und Promis aus Sport und Kultur müssen sich weiterbilden.

Claudia Obmann

Eine Stelle auf Lebenszeit oder ein Bildungsabschluss, der fürs ganze Arbeitsleben reicht – diese Zeiten sind vorbei. Im Gegenteil, jeder muss sich darauf einstellen, in Zukunft sogar mehrmals beruflich Haken zu schlagen und vielleicht ganz neue Berufe zu erlernen. Davon ist zumindest Michael Steinbrecher überzeugt. „Wie aber soll das gehen ohne Weiterbildung“, fragt der bekannte TV-Moderator, der nebenbei noch Journalistik-Professor ist, in einer Werbeanzeige für den Deutschen Weiterbildungstag. Um auf die seiner Meinung nach „wichtigste Aufgabe unserer Zeit“ hinzuweisen, hält Steinbrecher für die aktuelle Werbekampagne der Weiterbildungsbranche seinen Kopf hin. Stark für Kurse und Co. machen sich mit ihm zum Beispiel Kabarettist Bastian Pastewka und Heiner Brand.

Lebenslanges Lernen wird in Deutschland wegen des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftemangels immer wichtiger. Das ist den Beschäftigten klar. Vom Automechaniker bis zum Zahnarzt sagt schon heute mehr als die Hälfte der Deutschen, dass Weiterbildung in ihrem Metier zwingend ist. Außerdem rechnen 74 Prozent der Befragten damit, dass Fortbildungsmaßnahmen in ihrem Beruf in zehn Jahren noch bedeutsamer sein werden als heutzutage. Dies zeigt eine bundesweite Umfrage unter rund 1 000 Erwerbstätigen der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW).

Allerdings belastet dieser Druck fast jeden zweiten Befragten. Und mehr als jeder zehnte fühlt sich laut DUW-Studie überfordert, weil sein Arbeitgeber erwartet, dass er sich auf dem neuesten Stand hält. „Wissen ist überall und jederzeit abrufbar, veraltet aber auch schneller als früher“, sagt Ada Pellert, Präsidentin der DUW. „Die Überforderung vieler Menschen rührt häufig aus dieser Beschleunigung, verknüpft mit steigenden Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt. Chefs sollten ihre Mitarbeiter damit nicht allein lassen.“

Ob nun mit Arbeitgeberunterstützung oder aus Eigeninitiative, zur Beschleunigung der Karriere oder auch, um ihr eine neue Richtung zu geben – das Angebot an Fortbildungen ist riesig. Die Weiterbildung kann ein Sprachkurs sein, wie ihn Tom Buhrow vor Jahren einmal in seinem Bildungsurlaub in Frankreich absolvierte, als seine Französischkenntnisse nachließen. Offenbar eine lohnende Investition in die Zukunft, denn „zehn Jahre später half mir das, Korrespondent in Frankreich zu werden“, sagt der ARD-Moderator.

Es kann aber auch ein persönliches Coaching für Führungskräfte im Berufsalltag sein, wie es Manuela Mackert, Chief Compliance Officer der Deutschen Telekom, durchlief. Anders als viele ihrer Kollegen aus Führungskreisen, die über ihren Bildungsbedarf lieber nicht sprechen, steht die Managerin zu dieser wertvollen Erfahrung. Ihr Coach half ihr dabei, in kurzer Zeit eine neue Abteilung aufzubauen, eine globale Strategie zu entwerfen und dabei nicht zu sehr durch die Brille der Juristin zu schauen. Führung verlangt Reife, Mut und permanente Kompetenzerweiterung. Daran hat Mackert gezielt gearbeitet.

Besonders im Trend liegen derzeit vor allem Fernlehrgänge und Fernstudium. Natürlich auch, weil sie sich nebenberuflich absolvieren lassen. Ihre Teilnehmerzahlen steigen seit Jahren, auf zuletzt 387 000. Einer von ihnen ist Oliver Kahn. Der deutsche Ex-Nationaltorhüter hat schon viele Titel errungen, seit diesem Frühjahr darf er sich auch mit dem akademischen Grad „Master of Business Administration“ (MBA) von der österreichischen Privatuni Schloss Seeburg schmücken. In seinem Studium musste er lediglich 15 Tage pro Semester an der Uni in Salzburg anwesend sein, ansonsten wurde den Studenten der Stoff über eine Internetplattform bereitgestellt. Um ihn sich zu erarbeiten, konnte Kahn sich auch mit seinen Kommilitonen und Dozenten online austauschen.

Auf die Frage, warum er dieses Managementstudium absolviert habe, antwortete der Ausnahme-Athlet in der „Zeit“: „Zwei Dinge waren ausschlaggebend. Erstens: Wenn man unternehmerisch tätig werden will, kann man sich nicht darauf beschränken, irgendwann mal ein guter Torwart gewesen zu sein. Und zweitens: Ich hatte mir eine Auszeit gegönnt. Aber irgendwann, wenn man auf jedem Golfplatz und an jedem Strand gewesen ist, wird einem langweilig. Ich habe gemerkt, dass ich eine vernünftige Aufgabe brauche und mich weiterentwickeln möchte.“

Einen MBA-Titel wie ihn Oliver Kahn gerade erworben hat, haben etliche Wirtschaftsführer in der Tasche, etwa Anshu Jain, Co-Chef der Deutschen Bank, Siemens-Vorstandsfrau Barbara Kux, McKinsey-Topmanager Frank Mattern. Dass es damit aber auch auf Spitzenpositionen noch längst nicht getan ist, sondern Weiterbildung ansteht, weiß Jérôme Bruhat, Geschäftsführer von L'Oréal Deutschland. Bevor ihn der Kosmetikkonzern 2008 als Geschäftsführer nach Japan schickte, spendierte ihm sein Arbeitgeber eine vierwöchige Weiterbildung an der Business-School Insead in der Nähe von Paris. „Genau 20 Jahre nach meinem Abschluss dort wollte ich mein Wissen auffrischen. In der heutigen Welt überschlagen sich die Veränderungen und was man in den 80er Jahren gelernt hat, gehört zum Teil der Vergangenheit an.“ Kompakt viel Neues zu lernen sowie über seine Laufbahn und weitere Ziele mit renommierten Professoren und Studenten zu reflektieren, empfand Bruhat als „einmalig“ – und als perfekte Vorbereitung auf den damaligen Karriereschritt. HB

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