Wirtschaft : Lernen, was die Kurse treibt

Heute startet das Planspiel Börse der Sparkassen für Schülerinnen und Schüler. 13 000 Teams machen mit, davon gut 1000 aus Berlin

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Berlin - „Aktien sind genauso out wie Drogen“, das ist das Resümee der Autoren der gerade erst veröffentlichten 16. Shell-Jugendstudie. Nur noch zwölf Prozent der deutschen Jugendlichen haben demnach Vertrauen in diese Anlageform. Einer Umfrage der deutschen Sparkassen zufolge beschäftigt sich fast die Hälfte von ihnen überhaupt nicht mit Geldangelegenheiten. Und jeder sechste junge Mensch in Deutschland fühlt sich bei Finanzfragen überfordert.

„Wir müssen besonders jungen Menschen den Zugang zu Finanzthemen erleichtern und ihnen ökonomische Zusammenhänge besser erklären“, sagt Werner Netzel, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Die Sparkassen veranstalten schon zum 28. Mal das Planspiel Börse für Schüler und Studenten. Es startet am heutigen Montag. Bundesweit haben sich mehr als 13 000 Teams registriert. In Berlin machen bislang 1039 Schüler mit. Anmelden kann man sich noch bis zur Spielmitte am 9. November.

Die Schüler spielen in Gruppen. Jedes Team hat ein virtuelles Startkapital von 50 000 Euro. 175 Wertpapiere stehen zur Auswahl, darunter Aktien, Fonds und festverzinsliche Wertpapiere. Die Schüler geben online ihre Orders ab, kaufen und verkaufen. Die Kurse werden zweimal täglich neu berechnet, entsprechend den Werten an der echten Börse. Am 14. Dezember wird abgerechnet. Die Teams, die dann das meiste Geld im Depot haben, gewinnen kleine Sach- und Geldpreise.

Liane Mohr, Lehrerin am Oberstufenzentrum Informations- und Medizintechnik (IMT), betreut 70 Schülerteams. Sie integriert das Planspiel Börse in ihren Wirtschaftsunterricht. Im vergangenen Jahr haben es vier Teams von ihrer Schule unter die ersten zehn geschafft. „Anfangs versuchen die Schüler immer, an jeder kleinen Kursbewegung zu verdienen“, erzählt Mohr. Manche von ihnen seien richtig heiß auf das Spiel und kontrollierten selbst während des Unterrichts laufend den Stand ihres Depots. Im Laufe der Zeit merkten die meisten, dass es mehr Sinn macht, auf längerfristige Trends zu setzen. Die Lehrerin legt Wert darauf, dass sich ihre Schüler auch mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Auf der Website zum Planspiel (www.planspiel-boerse.com) sind Unternehmen, die in Umwelt- oder Sozialstandards investieren, mit einem Plus gekennzeichnet. Zudem informieren sich die Teams über das Internet, sie lesen Artikel und Analystenkommentare. „So lernen die Schüler, welche Ereignisse einen Aktienkurs bewegen können. Sie lernen aber auch, dass sich nicht jeder Tipp bewahrheitet“, sagt Mohr. Der wertvollste Lerneffekt sei: „Mit Aktien zu handeln, ist riskant.“ Ob das Planspiel die Beliebtheit von Aktien bei den Jugendlichen erhöht, bleibt zweifelhaft – das Verständnis verbessert es sicher. Miriam Schröder

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