Wirtschaft : Lernen wie auf „Schloss Einstein“

Brandenburgs Internate bieten interessante Spezialisierungen an.

Susanna Hoke
Damit Talente siegen. Die Sportschule Potsdam „Friedrich Ludwig Jahn“ setzt auf die volle Ausprägung der sportlichen Begabung aller Schüler ohne
Damit Talente siegen. Die Sportschule Potsdam „Friedrich Ludwig Jahn“ setzt auf die volle Ausprägung der sportlichen Begabung...Foto: picture alliance / dpa

Vom evangelischen Gymnasium im Kloster, über die Reitschule im Schloss bis hin zur Seeschule am ehemaligen Reichssportflughafen: In Brandenburg gibt es ein breites Angebot an Internaten.

Wenn Emily aus dem Fenster im 14. Stock schaut, sieht sie im Nordosten die Skyline vom Potsdamer Stadtzentrum und im Südwesten den Olympiastützpunkt am Luftschiffhafen. Ihr Tag beginnt mit dem Rudertraining um 7.30 Uhr und endet erst um 20 Uhr nach der Hausaufgabenstunde im Internat. Die Siebtklässlerin fährt ins Trainingslager, wenn andere Kinder Ferien haben, und sieht ihre Eltern in Lübbenau nur noch am Wochenende. Aber das macht Emily Torge nichts aus, denn sie will Medaillen gewinnen. Die erste Hürde – ein mehrstufiges Aufnahmeverfahren – hat sie genommen. Seit Beginn dieses Schuljahres lebt sie gemeinsam mit rund 400 Leichtathleten, Schwimmern, Triathleten, Fünfkämpfern, Fußballern, Handballern, Kanuten, Judoka und Volleyballerinnen am Ufer der Havel im „Haus der Athleten“, dem Wohnheim der Sportschule „Friedrich Ludwig Jahn“ in Potsdam.

Fast in Sichtweite liegt das Evangelische Gymnasium auf der Halbinsel Hermannswerder. Dort hat die Hoffbauer GmbH einen ehemaligen Gutshof zum Campus umgestaltet. In drei Häusern leben und lernen 60 Schüler in Einzel- oder Doppelzimmern. Eine konfessionelle Bindung ist keine Voraussetzung, dennoch hat die christliche Lebensgestaltung einen festen Platz im Wochenplan. Davon abgesehen wirbt die Bildungseinrichtung mit Erlebnisangeboten wie Wassersport, Bandprojekten oder Bildhauerei. Während Wohnheime für Leistungssportler mit Kosten um die 200 Euro recht preiswert sind, müssen die Eltern fürs Internat in Hermannswerder 1365 Euro zahlen.

Einen besonderen Reiz hat das historische Ambiente vieler Internatsschulen. So lernen die Gymnasiasten und Oberschüler im Stift Neuzelle in einem ehemaligen Zisterzienserkloster. Nach seiner Auflösung diente es schon im 19. Jahrhundert als evangelisches Seminar, Schule und Lehrerausbildungszentrum, erst vor wenigen Jahren wurde der barocke Garten wiederhergestellt. Unterrichtet wird im sanierten Klausurgebäude, das angeschlossene Internat mit rund 50 Bewohnern liegt ganz in der Nähe auf dem Priorsberg, Kosten: 1290 Euro pro Monat. Wegen der nahen Grenze steht der Kulturaustausch im Mittelpunkt: Polnisch ist zweite Fremdsprache, Schüler von der anderen Seite der Oder besuchen das Gymnasium, nationale Feiertage der Nachbarländer werden gemeinsam gefeiert, die erst Klassenfahrt führt traditionell zur Patenschule nach Drzonkow.

Mahlzeiten im „Gartensaal“, eine Terrasse mit Blick auf die restaurierte historische Parkanlage und Reitunterricht auf dem nahen Gestüt: Das bietet das Wohnheim für die Schüler der Prinz-von-Homburg-Schule in Neustadt/Dosse, nahe der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Der Name „Schloss Spiegelberg“ geht auf seine ursprüngliche Bestimmung zurück: 1685 wurde dort eine Glasfabrik errichtet, die sich mehr und mehr auf die Herstellung prunkvoller Spiegel spezialisierte. Das zum gleichen Zeitpunkt gebaute „Schloss“ diente dem Fabrikanten als Wohnhaus. Nach 1945 von der Stadt als Wohnraum und Kindergarten genutzt, ging wertvolles Interieur verloren; der anliegende Gutspark verwilderte. Seit 2003 leben dort Schüler, aber noch mehr Schülerinnen der Gesamtschule mit der Spezialisierung Reiten. Mit 25 Plätzen in zwölf Appartements geht es besonders familiär zu. Das Wohnen im Schloss kostet monatlich 600 Euro.

Mit Segeln, Reiten und Golfen verbringen die Jugendlichen an der Seeschule Rangsdorf ihre Freizeit. Die Schule liegt idyllisch am See, umgeben von Wald. Im denkmalgerecht sanierten Hauptgebäude befand sich einst der „Aeroclub“, der zusammen mit dem Reichssportflughafen Rangsdorf am Vorabend der Olympischen Sommerspiele 1936 eröffnet wurde. Nach Kriegsende nutzte das Nachrichtenregiment der sowjetischen Armee den einstigen Promi-Treff. Im nur unter der Woche geöffneten Wohnheim leben mehr als 60 Mädchen und Jungen, ein Platz kostet 1390 Euro. Die Oberstufenschüler haben ein eigenes Haus, für die Dreizehntklässler gibt es eine betreute Wohngemeinschaft, in der sie erste Schritte in Richtung Selbstständigkeit gehen können. Susanna Hoke

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