Wirtschaft : Leser denken um

Debatte um Arbeitsbedingungen bei Amazon hilft dem stationären Buchhandel.

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Noch nicht ganz oben. Immer mehr Deutsche lesen Bücher auch elektronisch. Trotzdem bleibt das Geschäft mit E-Books insgesamt hinter den Erwartungen zurück. Foto: AFP
Noch nicht ganz oben. Immer mehr Deutsche lesen Bücher auch elektronisch. Trotzdem bleibt das Geschäft mit E-Books insgesamt...Foto: AFP

Frankfurt am Main - Die Debatte um Arbeitsbedingungen und Konditionen des Versandhändlers Amazon hat den deutschen Buchhändlern in den vergangenen Monaten einen unerwarteten Umsatzsprung beschert. Allein im Mai sei der Umsatz gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,9 Prozent gestiegen, sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, am Freitag in Frankfurt. Amazon dagegen habe im März erhebliche Einbußen zwischen 15 und 20 Prozent hinnehmen müssen. Die Monopolstellung von Amazon im Internetbuchhandel und die vom Unternehmen praktizierten „diktatorischen Konditionen“ gegenüber Autoren und Verlagen haben Skipis zufolge zu einem Umdenken bei vielen Buchkäufern geführt.

Damit könnte sogar das gesamte Bücher-Jahr 2013 überraschend gut laufen. Allein in den ersten fünf Monaten kletterte der Umsatz um 3,3 Prozent. Im vergangenen Jahr war der Buchmarkt und damit der Umsatz von Verlagen und Buchhandlungen noch um 0,8 Prozent geschrumpft – auf insgesamt 9,52 Milliarden Euro. Im Buchhandel selbst ging es sogar um 3,7 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro nach unten.

Dass das Jahr 2013 so gut angelaufen ist, führt Skipis allerdings nicht nur auf die Debatten um Amazon zurück, sondern auch auf die seit einigen Monaten laufende Buchkampagne „Vorsicht Buch!“. Die Aufmerksamkeit für den Buchhandel sei dadurch rasant gestiegen. „Der Erfolg der Kampagne ist sensationell“, sagt Skipis.

Für die Buchhändler bleibt die Lage trotzdem schwierig. Die Konkurrenz des Internets wird immer stärker. 2012 legte der über das Internet getätigte Buchumsatz um zehn Prozent auf fast 1,6 Milliarden Euro zu, der Anteil am Gesamtumsatz erhöhte sich auf 16,5 Prozent.

Allerdings kann auch das Internet die Geschäfte mit E-Books in Deutschland nicht beflügeln. Das Segment wächst nur langsam. 2012 verdreifachte sich nach Angaben des Börsenvereins zwar der Anteil von E-Books am gesamten Buchumsatz. Aber es sind trotzdem nur 2,4 Prozent. Diese Quote bezieht allerdings ausschließlich den Publikumsmarkt ein, so dass der Umsatz in absoluten Zahlen nur bei 110 Millionen Euro lag.

Im klassischen Buchhandel erreichte der E-Book-Umsatz im vergangenen Jahr sogar nur einen Anteil von 0,5 Prozent. „Das E-Book ist zwar auch in Deutschland angekommen, aber es entwickelt sich nicht in Riesenschritten wie in den USA, sondern eher langsam“, sagte Skipis. Wachstumsraten ließen sich nur schwer prognostizieren. Die Händler rechnen damit, dass E-Books auch 2013 nur auf einen Umsatzanteil von 1,1 Prozent kommen, dabei ist mehr als jede zweite Neuerscheinung auch elektronisch erhältlich. Und der Anteil der Konsumenten, die ausschließlich gedruckte Bücher lesen, geht laut Umfragen weiter zurück: Zuletzt gaben nur noch 40 Prozent aller Deutschen an, sie läsen nur gedruckte Bücher. Erstmalig gibt es eine – wenn auch mit einem Prozent noch sehr kleine – Gruppe, die ausschließlich E-Books liest.

Der jüngsten Umfrage des Börsenvereins zufolge rechnen Händler auch bis 2015 nur mit einem Umsatzanteil der elektronischen Bücher in Höhe von 3,2 Prozent. Bei den Verlagen sollen es in diesem Jahr 10,6 und 2015 gut 16 Prozent sein. Zwar bieten fast drei Viertel der Händler auch E-Books an, trotzdem befürchten sie insgesamt bis 2016 Umsatzeinbußen von 16 Prozent. Die Kritik an der Unternehmenspolitik von Amazon dürfte Verlagen und Händlern mit ihren aktuell rund 54 000 Mitarbeitern auf Dauer kaum eine Hilfe sein. Das größte Risiko, so die Umfrage, sehen sie in der weiteren Konzentration der Online-Buchhändler und damit einer noch stärkeren Machtposition dieser Gruppe.

Dem Börsenverein zufolge können Rückgänge auch nicht über den durchschnittlichen Buchpreis für gedruckte Neuerscheinungen aufgefangen werden. Seit zehn Jahren pendelt er zwischen 25 und knapp 26 Euro, im vergangenen Jahr waren es 25,63 Euro. Skipis zufolge können die Händler nur mit „hoher Beratungskompetenz und kulturellem Engagement für die Gesellschaft“ bestehen und die Kunden überzeugen.

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