Wirtschaft : L’état soll´s richten

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Dass man die eigenen Probleme immer als die größten wahrnimmt, ist bekannt. Frankreichs Banken demonstrieren das gerade aufs Komischste. Der SchwerindustrieGigant Alstom steht mit 3,4 Milliarden Euro Schulden vor dem Konkurs. BNP Paribas, Société Générale und Crédit Agricole – Alstoms kreditgebende Banken – warnen, der Konkurs Alstoms werde eine Wirtschaftskrise auslösen. Mit Erfolg. Der französische Finanzminister informierte den EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti, dass die französische Regierung 300 Millionen Euro in Alstom investieren und so zum 30-prozentigen Teilhaber werde. Die französischen Banken würden weitere 300 Millionen Euro investieren.

Natürlich ist Alstom ein Gigant in der europäischen Wirtschaft, aber das bedeutet nicht, dass Alstoms Untergang eine Krise auslösen wird. Der Kollaps amerikanischer Wirtschaftsriesen wie Enron hatte schwerwiegende Folgen für die amerikanische Wirtschaft – aber er stürzte die Produktion und das Finanzsystem nicht in die Krise. Genauso wenig überzeugt das Argument, dass Alstoms Kollaps die europäischen Eisenbahnen zum Erliegen bringen werde, da der Konzern viele europäische Hochgeschwindigkeitszüge herstelle. Selbst wenn Alstom nicht überlebt, gibt es keinen Grund, warum nicht andere Firmen die entsprechende Abteilung Alstoms übernehmen sollten.

Alstoms Probleme sind nicht neu und die drohende Insolvenz ist kein Geheimnis. Bereits 1998 gab die Firma eine Gewinnwarnung heraus und im Mai 2000 wurde von unerwartet großen Einbußen berichtet. Insbesondere BNP Paribas kann sich schlecht herausreden, da sie seit 2002 im Vorstand Alstoms vertreten war.

Die französischen Banken vor ihrer Dummheit zu retten, ist unfair für die Steuerzahler, die zahlen sollen. Und solche Rettungsaktionen ermutigen die Banken nur, weiterhin riskante Kredite zu vergeben. Ehrenhafterweise hat sich Monti skeptisch über den Investitionsplan der französischen Regierung geäußert und genaue Auskunft über die Pläne angefordert. Das Alstomdebakel verlangt nach einer Untersuchung durch die EU. Und wir hoffen, dass Monti den französischen Banken beibringt, dass ihre Probleme genau das sind: ihre Probleme.

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