Wirtschaft : Letzte Chance für das Warenhaus

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Von Maurice Shahd

KarstadtChef Wolfgang Urban bekommt sein Warenhausgeschäft nicht in den Griff. Der Umsatz in den Kaufhäusern sinkt, und sie schreiben hohe Verluste. Seit Jahren ist klar, dass die Vertriebsform Kaufhaus ihre besten Zeiten längst hinter sich hat. Die Kunden bevorzugen Spezialisten, die in ihrem Bereich eine größere Auswahl zu günstigeren Preisen bieten. Bei Technik sind es Elektronikmärkte wie Saturn, bei Kleidung Modeketten wie H & M, bei Lebensmitteln Discounter wie Aldi. Trotzdem funktionieren Warenhäuser unter bestimmten Voraussetzungen noch immer. Das zeigen Konsumtempel wie das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg oder andere große Karstadt-Häuser in besten Innenstadtlagen. Sie bieten ihren Kunden ein ansprechendes Einkaufserlebnis: edles Ambiente, bekannte Marken, guter Service. Qualität als Gegensatz zu den leblosen Billigketten. Konkurrent Kaufhof überträgt dieses Konzept schon seit Jahren mit Erfolg auf sämtliche Standorte, unrentable Filialen wurden dagegen geschlossen.

Um die Warenhäuser wieder profitabel zu machen, schlägt Urban jetzt einen ähnlichen Weg ein. Statt der verlustreichen Elektroartikel will er mehr Einrichtungsgegenstände und Kosmetik verkaufen. Bei Bekleidung und Lebensmitteln wird Karstadt künftig mit Partnern zusammenarbeiten, um die Kosten zu senken. Das ist noch nicht der große Wurf. Karstadt betreibt immer noch zu viele kleine, wenig attraktive Häuser. Urban hat sich immer gegen die Schließung von Filialen gewehrt, weil er seine Einkaufsmacht nicht verlieren wollte und einen Imageverlust fürchtete. Darauf kann er jetzt keine Rücksicht mehr nehmen. Sollte auch dieser Sanierungsversuch scheitern, werden die Karstadt-Warenhäuser bald ganz von der Bildfläche verschwinden.

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