LEXIKON : Die wichtigsten Begriffe zur Schuldenkrise

Staatsanleihe

Wer sein Geld anlegen will, kann es aufs Sparbuch legen, Aktien, Immobilien oder Gold kaufen – oder eben eine Staatsanleihe zeichnen. Dabei überweist man dem Staat eine bestimmte Summe und bekommt dafür einen garantierten Zins. Dieses Prinzip gibt es seit Jahrzehnten. Je besser der Ruf des jeweiligen Staates, desto geringer die Verzinsung. Die Laufzeiten von Staatsanleihen variieren – möglich sind wenige Monate, aber auch bis zu 30 Jahre.

Umschuldung

Kann ein Schuldner seine Kreditraten nicht mehr bedienen, ist er insolvent, pleite oder zahlungsunfähig. Der Gläubiger will natürlich nicht auf seinen Forderungen sitzenbleiben – er kann aber, vor allem bei staatlichen Schuldnern, nicht den Gerichtsvollzieher schicken. Deshalb verhandeln die Partner über eine Senkung der Schuldenlast. Die ist möglich über eine harte Umschuldung, einen Haircut: Wer Anleihen eines Landes gekauft hat und ins Risiko gegangen ist, muss auf einen Teil der ihm zustehenden Summe verzichten. Dies kann für den Schuldner heftige Folgen haben – deshalb gibt es die Variante einer sanften Umschuldung. Hier sorgen eine geringere Zinslast oder ein späterer Rückzahlungstermin für Entlastung.

Rettungsversuche

Die Europäer und der Internationale Währungsfonds IWF haben Athen im vergangenen Jahr mit einem Hilfspaket über 110 Milliarden Euro gerettet. Dieses Geld wird aber nicht reichen, sondern spätestens im August aufgebraucht sein. Ab 2013 wird der Europäische Stabilitätsmechanismus ESM über 700 Milliarden Euro wirken.

Rating

Wie zahlungskräftig ein Staat oder ein Unternehmen ist, können einzelne Anleger oft nicht bewerten. Deshalb gibt es Rating-Agenturen – sie berechnen die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls und stufen einen Schuldner auf einer Skala entsprechend ein. Bei Standard&Poor`s liegt die Bestnote etwa bei AAA, die schlechteste Note bei D (wie Default, zu Deutsch: Ausfall). Die Unternehmen stehen aber stark in der Kritik – in der Finanzkrise haben sie nicht gesehen, dass viele Papiere überteuert gehandelt wurden und keine echten Werte repräsentierten. Und in der Staatsschuldenkrise wirken ihre Urteile oft wenig fundiert, zudem verstärken sie die negative Stimmung um ein Land oft noch.

Europäische Zentralbank

Die Rettung bankrotter Staaten gehört eigentlich nicht zu den Aufgaben der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie soll vielmehr die Wirtschaft der Euro-Länder mit Geld versorgen und die Inflation in Schach halten. Dennoch hat die EZB bei der Rettung Griechenlands auf politischen Druck alle Ordnungsprinzipien über Bord geworfen. Für geschätzte 75 Milliarden Euro hat die Notenbank Staatsanleihen aus Griechenland, Portugal und Irland aufgekauft, davon 50 Milliarden aus Griechenland. Zudem rechnet die Commerzbank damit, dass weitere Staatsanleihen im Wert von rund 60 Milliarden Euro von griechischen Geschäftsbanken als Sicherheit bei der EZB hinterlegt wurden. Nach einer Rechnung der Bank würde eine Pleite Griechenlands die EZB und damit den Steuerzahler 45 Milliarden Euro kosten.

Internationaler Währungsfonds

Der IWF ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Er soll helfen, Wechselkurse zu stabilisieren, die Zusammenarbeit in der Währungspolitik stärken und Staaten mit Krediten unterstützen. In der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt der IWF eine wichtige Rolle und war bereits am ersten 110-Milliarden-Euro umfassenden Rettungspaket beteiligt. Derzeit ist der IWF aber auch mit internen Problemen beschäftigt. Nach dem Rücktritt des Ex-Chefs Dominique Strauss-Kahn wegen Vergewaltigungsvorwürfen sucht der IWF einen neuen Kopf an der Spitze. brö/hej

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