Wirtschaft : Liberalisierung des Energiemarktes: Kunden haben ab 2005 freie Wahl in ganz Europa

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Europas Strom- und Gaskunden werden vom Jahr 2005 an die Qual der Wahl haben. Die Europäische Kommission ist offenbar entschlossen, bis 2005 die völlige Liberalisierung des Strom-und Gasmarkts in der EU durchzusetzten. "Der künftige Energiemarkt in der EU wird mehr Wahlmöglichkeiten bieten und gleichzeitig allen Europäern eine universelle Qualität der Dienstleistung garantieren", versprach die für Energiepolitik zuständige EU-Kommmissarin Loyola de Palacio am Dienstag bei der Vorstellung der Brüsseler Pläne. "Unser Ziel ist es, dass der Energiebinnenmarkt in der EU der leistungskräftigste, der sicherste und der wettbewerbsfähigste Energiemarkt der Welt wird".

Zunächst soll der Elektrizitätsmarkt für Unternehmen bis 2003 dem Wettbewerb völlig geöffnet werden. Von 2004 an sollen die Unternehmen auch beim Gas ihren Lieferanten frei wählen können. In einem entscheidenden dritten Schritt sollen dann vom Jahr 2005 an alle Verbraucher in Europa von einem völlig freien Strom- und Gasmarkt profitieren können. Nach den Vorstellungen Brüssels wird von diesem Zeitpunkt an der europäische Energiemarkt mit einem Umsatz von 250 Milliarden Euro, rund 500 Milliarden Markt, für den Wettbewerb vollständig geöffnet. "Das wird noch größere wirtschaftliche Auswirkungen haben als die Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes", vermutet die EU-Energiekommissarin.

Um die notwendigen Voraussetzungen für den großen EU-Energiebinnenmarkt zu schaffen, schlägt die EU-Kommission vor, die Strom- und Gasnetze juristisch komplett von den Betreiberunternehmen zu trennen. Nationale Regulierungsbehörden sollen für einen fairen Zugang zu den Netzen, für angemessene feste Nutzungspreise und Markttransparenz sorgen. In jedem EU-Mitgliedstaat müsse eine solche unabhängige Behörde geschaffen werden, deren Aufgabe es sei, den Markt zu überwachen und Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern. Im Unterschied zu den USA wolle man in Europa nicht liberalisierte Regionalmärkte, sondern einen wirklichen integrierten europäischen Binnenmarkt der Energie schaffen, kündigte de Palacio an. Bislang wehrt sich nur Deutschland gegen die Einführung einer nationalen Regulierungsbehörde. Im Gegensatz zu den anderen EU-Ländern haben die Stromunternehmen die Zugangsbedingungen zu den Netzen selbst ausgehandelt.

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