Libor-Zinswetten : Deutsche Bank soll halbe Milliarde Euro verdient haben

Vor Beginn der Finanzkrise soll die Deutsche Bank hunderte Millionen Euro mit Wetten auf den Interbankenzins Libor verdient haben. Mit Zinsmanipulation habe das aber nichts zu tun, betont das Institut.

Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe. Erst kürzlich sorgte eine Razzia in der Frankfurter Zentrale für Aufregung.
Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe. Erst kürzlich sorgte eine Razzia in der Frankfurter Zentrale für Aufregung.Foto: dpa

Die Deutsche Bank soll mit milliardenschweren Wetten auf den Libor 2008 mindestens 500 Millionen Euro verdient haben. Das berichtet das "Wall Street Journal" und beruft sich dabei auf interne Bankdokumente, die den Ermittlern vorlägen. Das Institut bestätigt diese Summe nicht. In einer schriftlichen Erklärung stellte es aber klar, dass etwaige Gewinne kein Beleg für Zinsmanipulationen seien.

Handelsgeschäfte im Zusammenhang mit dem Libor-Satz seien zum Höhepunkt der Finanzkrise üblich gewesen, um die Risiken zu begrenzen. Diese Strategie habe aber nicht auf dem Glauben basiert, dass die Bank "in unangemessener Weise Interbank-Zinssätze beeinflussen könnte".

Im Skandal um Zinsmanipulationen kann die Deutsche Bank Finanzkreisen zufolge bis Ende März mit Ergebnissen der offiziellen Sonderprüfung rechnen. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin habe mit der Auswertung der ersten Erkenntnisse begonnen, sagten mehrere mit der Untersuchung vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. "Bis Ende des ersten Quartals dürfte der Bericht fertig sein", betonte ein Insider. Die Bafin prüft seit dem Frühjahr 2012, ob und wie das größte deutsche Geldhaus in den weltweiten Skandal um die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor beteiligt ist.

Dabei arbeitet sie eng mit den Aufsichtsbehörden in Großbritannien, den USA und anderen Ländern zusammen.
Die Bafin versucht insbesondere herauszufinden, wie es bei der Deutschen Bank zu den mutmaßlichen Manipulationen des Zinssatzes gekommen ist. "Es geht darum sicherzustellen, dass es künftig nicht mehr passieren kann", sagte eine der Personen mit Kenntnissen von den Untersuchungen. Die Ergebnisse würden Vorstand und Aufsichtsrat vorgelegt.

Anders als die Regulierer in Großbritannien und den USA, die Banken in der Affäre bereits hohe Strafen aufgebrummt haben, kann die BaFin selbst nicht strafrechtlich aktiv werden. Hierfür sind in Deutschland Staatsanwälte zuständig. Sollte die Sonderprüfung aber strafrechtlich relevante Dinge aufdecken, werde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, sagte ein Insider. Die Bafin und die Bank äußerten sich nicht zum Stand.

Weltweit stehen mehr als ein Dutzend Großbanken im Verdacht, in den vergangenen Jahren den Referenzsatz Libor zu ihren Gunsten manipuliert zu haben, um so Handelsgewinne einzustreichen. Der Libor beruht auf den von außen bislang kaum nachvollziehbaren Angaben der Institute zu ihren Refinanzierungskosten. Er wird einmal täglich in London ermittelt und ist die Basis für Milliarden-Finanzgeschäfte weltweit.

Die Schweizer UBS musste wegen ihrer Verwicklung in den Skandal bereits mehr als eine Milliarde Euro zahlen. Die britische Bank Barclays legte 450 Millionen Dollar auf den Tisch. Als nächstes wird bei der britischen Royal Bank of Scotland mit einem Vergleich gerechnet - in welcher Höhe, ist noch offen.

Bei der Deutschen Bank ist bislang nichts von Vergleichsverhandlungen bekannt. Eine interne Prüfung des Libor-Falls hat nach Bankangaben keine Erkenntnisse erbracht, dass Mitglieder des damaligen oder des heutigen Top-Managements Kenntnis davon hatten. Die mutmaßlichen Händler-Tricksereien fielen in den Investmentbankingbereich, der bis Juni 2012 vom jetzigen Co-Bankchef Anshu Jain geleitet wurde. Hier hat die Bank auch noch mit zahlreichen weiteren Rechtsstreitigkeiten zu kämpfen, vor allem in den USA. (rtr)


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