Licht-aus-Aktion : Stürzen Umweltschützer Europa in Strom-Blackout?

Millionen Haushalte sollen am Samstag für fünf Minuten ihr Licht löschen. Doch was als Klimaschutzaktion gedacht ist, könnte Europas Stromerzeuger in Schwierigkeiten bringen.

BerlinDie für Samstagabend geplante Klimaschutzaktion "Licht aus!" könnte nach Angaben von Energieexperten in Deutschland und anderen europäischen Ländern für kurze Zeit Stromausfälle verursachen. Das sei möglich, wenn einige Millionen Haushalte am Samstagabend um 20 Uhr die Lichter schlagartig aus- und fünf Minuten später wieder einschalteten, hieß es in der Energiebranche. Dass es zu einem solchen Stromausfall kommen kann, wurde auch vom Stromversorger RWE und dem Branchenverband BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) bestätigt.

Vor elf Monaten war infolge mehrerer Pannen in Deutschland für kurze Zeit in 10 Millionen westeuropäischen Haushalten das Licht ausgegangen. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass es zu größeren Störungen im Netz kommen kann", sagte ein BDEW-Sprecher auf Anfrage. Die deutschen Kraftwerks- und Netz-Betreiber hätten sich mit den Behörden und den europäischen Nachbarn auf das Ereignis vorbereitet. Leistungs-Schwankungen im Netz bis zu 3000 Megawatt könnten ohne Schwierigkeiten ausgeglichen werden. Nicht auszuschließen seien aber größere Schwankungen der Last und Stromflüsse im EU-Verbundsystem.

Störung des Gleichgewichts zwischen Erzeugung und Verbrauch

Mit der Aktion "Licht aus" wollen mehrere Medien und Umweltverbände die Bürger und die auf der indonesischen Insel Bali versammelten UN-Länder zum Handeln gegen den Klimawandel aufrufen. Für die fünf Minuten sollen nach dem Appell der Organisatoren aber auch Rathäuser, Weihnachtsmärkte und einige Unternehmen wie BMW und Siemens die Lichter ausschalten.

Der Sprecher der RWE Transport Strom GmbH, Marian Rappl, bestätigte die Möglichkeit eines Stromausfalls. Er fügte hinzu: "Wir warnen nicht davor, aber theoretisch besteht die Möglichkeit einer Störung." Sollte die vorgehaltene Regelenergie von 3000 Megawatt nicht ausreichen, könnte es kritisch werden. Der größte deutsche Stromerzeuger E.ON äußerte sich zunächst nicht zu dem Sachverhalt.

Kritischer Punkt beim Einschalten

Der Aachener Wissenschaftler Hans-Jürgen Haubrich hat nach einem Bericht der Zeitung "Die Welt" berechnet, wieviel Menschen sich an der Licht-Aus-Aktion beteiligen dürfen, bevor das Stromnetz schlapp macht. Wenn jeder Haushalt im Schnitt drei 100-Watt-Glühbirnen an habe, würde es reichen, wenn zehn Millionen Haushalte das Licht ausmachen. Ein Blackout wäre die Folge.

Ähnlich äußerte sich der Aachener Energieexperte Gerd Hinüber vom Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft im MDR Info. Es müsse immer ein Gleichgewicht zwischen Verbrauch und Erzeugung bestehen. Die Kraftwerke müssten heruntergefahren werden, wenn das Licht ausgeschaltet wird. "Der kritische Punkt ist dann, wenn alle das Licht wieder einschalten. Dann muss recht schnell Kraftwerks-Kapazität zugeschaltet werden." Sonst komme man in eine ähnliche Bredouille wie beim Stromausfall am 4. November 2006. (ho/dpa)        

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