Wirtschaft : Lieber Börse statt Landesbank-Investor

Berlin lässt mehrere Verkaufsmöglichkeiten für Bankanteile prüfen. Interessenten gibt es viele

Hermann-Josef Knipper,Peter Köhler

Frankfurt am Main - Der Verkaufsprozess für die Landesbank Berlin, die frühere Bankgesellschaft, geht in die entscheidende Phase. Investmentbanker bereiten derzeit zwei Varianten vor: den Komplettverkauf des 80,95-Prozent-Anteils des Landes Berlin an den meistbietenden Investor sowie eine Börsenplatzierung. Hinter den Kulissen wächst derzeit offenbar die Sympathie für den Börsengang: Da sich der Aktienkurs der Landesbank Berlin seit Jahresbeginn auf knapp sechs Euro verdoppelt hat, dürfte das zum Verkauf stehende Aktienpaket mindestens fünf Milliarden Euro bringen. Diese hohe Preiserwartung, so heißt es in Finanzkreisen, dürfte die Zahl der Kaufbewerber reduzieren und mache den Börsengang für das an einem möglichst hohen Preis interessierte Land attraktiv.

Übernahmeinteresse haben neben der Unicredit-Tochter Hypo-Vereinsbank (HVB) und der Commerzbank vor allem Finanzinvestoren wie Flowers und Lonestar sowie große ausländische Banken wie BNP Paribas und ABNAmro signalisiert. Die Attraktivität des Landesbank-Konzerns besteht vor allem aus dem Sparkassen-Netz, das die Hälfte des Berliner Marktes ausmacht, sowie dem als relativ niedrig geltenden Risikoprofil des Kreditbuchs.

Auch die deutschen Sparkassen wollen unbedingt mitbieten, um das Auseinanderbrechen des öffentlich-rechtlichen Verbands zu verhindern. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung scheint dem Verband DSGV am Wochenende gelungen zu sein: Die Übernahme des Zehn-Prozent-Anteils der NordLB an der Landesbank Berlin durch den Sparkassenverband steht offenbar kurz bevor. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen trafen sich am vergangenen Freitag Sparkassenpräsident Heinrich Haasis und NordLB-Vorstandschef Hannes Rehm nach einer Vorständetagung in Hannover. Danach gaben sich die Sparkassenvertreter optimistisch, in Kürze den Zuschlag zu erhalten. Es seien allerdings noch technische Detailfragen zu klären, hieß es weiter. Das Paket wird an der Börse mit knapp 600 Millionen Euro bewertet. Ein Sprecher des DSGV wollte zum Verhandlungsstand keine Angaben machen. Auch bei der NordLB war keine Stellungnahme zu erhalten.

Das Land Berlin hatte zur Rettung der Landesbank milliardenschwere Hilfen zur Verfügung gestellt, die die EU-Kommission unter Auflagen gebilligt hatte. Jetzt achten die Brüsseler Wettbewerbshüter darauf, dass es 2007 zu einem „diskriminierungsfreien“ Verkauf kommt, bei dem private Bieter zum Zug kommen könnten und damit erstmals eine – öffentlich-rechtliche – Sparkasse erwerben würden. Das will der DSGV unbedingt verhindern.

Wie das Sparkassenlager zu einem Börsengang der Landesbank Berlin steht, ist nicht bekannt. Allerdings findet diese Idee in Berlin immer mehr Anhänger, weil die Stadt einen eigenständigen Bankkonzern behalten würde und nicht zur Filiale einer fernen Finanzgruppe würde. Der Standort Berlin habe nur Vorteile von einer Börsenplatzierung, heißt es in Finanzkreisen – etwa die vor Ort verbleibende Entscheidungskompetenz, den Erhalt der Arbeitsplätze und die Kundennähe.

Als größte deutsche Sparkasse, siebtgrößte deutsche Filialbank, fünftgrößter gewerblicher Immobilienfinanzierer und größter Emittent von Kreditkarten sei das inzwischen sanierte und ertragsstarke Institut hervorragend positioniert (siehe Kasten). Regional fokussierte Retailbanken dieser Art, also mit der Ausrichtung auf Privatkunden und Mittelständler, würden an der Börse heute besonders gut bewertet, meinen Investmentbanker. Grundvoraussetzung sei aber, dass das Börsenumfeld so positiv bleibe bisher. Denkbar, so hieß es in Berlin, sei auch der Verkauf mehrerer Zehn-Prozent-Pakete an eine Gruppe von Kernaktionären wie Versicherer oder Pensionsfonds. HB

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