Lieber per Überweisung : Internet-Shopping? Deutsche mögen es klassisch

Internetanbieter versprechen schnelles und einfaches Einkaufen: „Eins, zwei, drei – meins“. So leicht ist es jedoch meist nicht. Viele, die einen Onlineshop besuchen, brechen den Kauf vorzeitig ab.

Svenja Markert

Studien belegen, dass nur etwa drei Prozent derjenigen, die eine Startseite öffnen, auch tatsächlich kaufen, sagt Sonja Rodenkirchen vom E-Commerce Center (ECC) Handel in Köln. Viele Kunden gingen schon nach dem ersten Klick verloren. Einer der Knackpunkte: das Bezahlen.

Die Wahrscheinlichkeit eines Abbruchs steigt, wenn Kunden das Bezahlsystem nicht akzeptieren oder es zu zeitaufwendig ist. Am ehesten kaufen Kunden ein, wenn sie selbst aussuchen können, wie sie bezahlen wollen. „Wenn mehrere Bezahlsysteme angeboten werden, dann gibt es mehr Kaufabschlüsse“, sagt Oliver Claas vom Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh).

Das ECC hat Onlinehändler nach ihren Erfahrungen befragt: Demnach bieten sie durchschnittlich 4,4 Bezahlsysteme an. Häufig können Kunden wählen zwischen Vorkasse, Nachnahme, Kreditkarte, Rechnung und Onlinebezahldiensten wie Paypal, Sofortüberweisung, Giropay oder Click & Buy. „Die Sichtweisen sind oft konträr, was für den Händler das sicherste ist, schätzt der Kunde als unsicher ein“, sagt Rodenkirchen. Für den Handel sei die Vorkasse das mit Abstand bewährteste Verfahren. Am häufigsten nutzten Kunden in Deutschland jedoch die konventionellen Bezahlverfahren wie Überweisung und Lastschrift. Eine Befragung von Verbrauchern durch den bvh zeigt: 2009 wurden noch 80 Prozent der Einkäufe auf diesen Wegen bezahlt. Die anderen Verfahren nehmen aber langsam zu. „Vor allem junge und internetaffine Verbraucher greifen eher zur Kreditkarte“, sagt Claas.

Auch das EEC hat festgestellt, dass Kreditkarten und Onlinebezahldienste nicht nur immer häufiger angeboten, sondern auch häufiger genutzt werden. Das habe positive Folgen. „Mit dem Einbinden der innovativen Zahlverfahren ist die Abbruchrate bei Onlineeinkäufen aus Sicht der Händler gesunken“, sagt Rodenkirchen. Die Umsätze könnten sich damit um bis zu zehn Prozent steigern lassen. Die meisten Händler planten 2010 noch weitere Bezahldienste einzuführen. Für viele sei die Suche nach geeigneten Zahlungsverfahren jedoch noch nicht abgeschlossen, das eine ideale Verfahren scheine es nicht zu geben. „Einfach alle anzubieten, ist auch keine Lösung, damit verunsichert man die Kunden nur.“

Onlinebezahldienste wie Paypal, der zum US-Konzern Ebay, und Click & Buy, der jetzt vollständig der Telekom gehört, bieten Käufern den Vorteil, dass sie nicht bei jedem Internetshop Kontodaten und Adresse angeben müssen. Der Bezahldienst dient quasi als Treuhänder, der dafür sorgt, dass der Kunde seine Ware und der Verkäufer sein Geld bekommt. Paypal verfügt weltweit bereits über 210 Millionen Kundenkonten, bei Click & Buy sind immerhin 13 Millionen Nutzer registriert.

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