Liechtenstein : Steuersünder wollen sich Geld von LGT-Bank wieder holen

Im Skandal um Steuerhinterziehung über Liechtensteiner Stiftungen laufen bei der Bochumer Staatsanwaltschaft schon 350 Verfahren. Einige der mutmaßlichen Steuersünder suchen die Schuld aber keineswegs bei sich: Die LGT-Bank habe sie schließlich nicht gewarnt.

MünchenMehrere deutsche Steuersünder, die wegen dubioser Geldanlagen in Liechtenstein aufgeflogen sind, bereiten Schadenersatzklagen gegen die Liechtensteiner Fürstenbank LGT vor. Rund ein Dutzend deutsche Anwaltskanzleien habe bereits beim Vaduzer Rechtsanwalt und Ex-Justizminister Heinz Frommelt Erkundigungen über die aktuelle Rechtslage im Fürstentum eingeholt. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Frommelt.

Die Betroffenen werfen der Bank des Liechtensteiner Fürstenhauses vor, dass sie nicht umgehend über den Diebstahl ihrer Kundendaten durch einen Angestellten der Banktochter LGT Treuhand im Jahr 2002 informiert wurden. Ein LGT-Mitarbeiter hatte 2002 in großem Umfang Kundendaten entwendet und sie später dem Bundesnachrichtendienst verkauft.

Anleger sind "wild entschlossen"

Einige der Steuersünder seien "wild entschlossen" zur Klage gegen die LGT, sagte Rechtsanwalt Frommelt. Noch seien die Anwälte aber damit beschäftigt, die Erfolgsaussichten möglicher Schadenersatzprozesse auszuloten und rieten ihren Mandanten noch zur Zurückhaltung, berichtet das Blatt weiter. "Die Frustration über das Verhalten der LGT und in einigen Fällen offenbar sogar die Wut mancher Anleger scheinen sehr groß zu sein", sagte Frommelt.

Die Ermittlungen zur Steueraffäre um Stiftungen in Liechtenstein waren im Februar 2008 durch eine Hausdurchsuchung bei Ex-Postchef Klaus Zumwinkel ins Rollen gekommen. Bei der Staatsanwaltschaft Bochum laufen derzeit insgesamt 350 Ermittlungsverfahren gegen mutmaßliche deutsche Steuersünder. Gegen weitere 420 Verdächtige prüftt die Behörde noch, ob sie Verfahren einleitet.

Ein erster Prozess um Steuerhinterziehungen über Privatstiftungen ist bereits gelaufen: Ein
Immobilienmakler aus Bad Homburg wurde in der vergangenen Woche zu einer Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 7,5 Millionen Euro verurteilt. (sf/AFP)

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