Wirtschaft : Lieferengpässe bei Chips: Hersteller wie Intel und AMC profitieren von hoher Nachfrage

Der weltweit größte Hersteller von Mobiltelefonen, Nokia, hat für das dritte Quartal bereits ein schwächeres Ergebnis angekündigt. Der Grund: Lieferengpässe bei Chips für Mobiltelefone. Mit dieser Klage ist Nokia nicht allein. "Wir registrieren seit Anfang des Jahres massive Engpässe bei elektronischen Bauteilen", sagt der Deutschland-Chef von Motorola, Walter Hühn. Motorola sei zwar in der günstigen Situation, selber elektronische Bauteile für die Handy-Produktion zu fertigen, doch die eigenen Kapazitäten reichten nicht aus. Extrem angeheizt wird die Nachfrage von Siemens. Der Elektronikkonzern bezieht seine Chips hauptsächlich von seiner Tochter Infineon. Die Münchener wollen ihre Handy-Produktion in diesem Jahr von elf auf 25 Millionen Geräte ausweiten. Mit Infineon habe Siemens deshalb eigens einen "Produktions-Puffer" vereinbart, Kontingente, die bei hoher Nachfrage zusätzlich geordert werden können.

Die Aktienkurse der Chipanbieter treibt der Lieferengpass zum Teil in schwindelnde Höhen. Applied Micro Circuits Corp, ein Anbieter für Lösungen zur Verbindung der weltweiten optischen Netzwerke, bescherte seinen Anteilseignern binnen Jahresfrist einen Kursanstieg von rund 700 Prozent. Globespan, Inc., mit über 580 Prozent plus in den vergangenen 52 Wochen ebenfalls ein Börsenliebling, liefert Bauteile, die die Übertragung von Daten mittels DSL noch schneller machen. Die Emcore Corp. bietet Halbleiterprodukte für die Breitbandkommunikation an - ebenfalls zur großen Freude ihrer Aktionäre. Und Intel hat nun als Chip-Weltmarktführer mit der Ankündigung von Bauteilen für das Internet diesen Markt für die Chip-Spezialitäten endgültig hoffähig gemacht.

So sind auch die meisten Finanzexperten für die Aktien der Chiphersteller zurzeit positiv gestimmt. Als einsame Rufer in der Wüste gelten lediglich die Analysten von Salomon Smith Barney, die vor einigen Wochen ein Ende des Aufschwungs zum Jahresende prognostizierten und damit die Stimmung vorübergehend verdorben hatten. Bis zum Jahr 2002 erwarten die meisten Analysten dagegen eine gute Branchenentwicklung. Danach sollten Anleger allerdings darüber nachdenken, Gewinne zu realisieren. "Der Chip-Markt wird weiter zyklisch bleiben und es wird auch noch einmal nach unten gehen", erklärt etwa Analyst Matthias Schneck von Hypo-Vereinsbank Research. Noch aber stehen die Ampeln auf grün: Nach Einschätzung von Karsten Iltgen von der WestLB wird der Markt für Halbleiter in diesem Jahr um 35 Prozent wachsen. Im nächsten Jahr sei mit einem ebenso hohen Anstieg zu rechnen.

Als Grund für den derzeitigen Boom nennen Experten die weitere Fantasie aus dem Mobilfunkbereich. Um eine funktionierende UMTS-Infrastruktur zu entwickeln, müssen Netzbetreiber und Handy-Produzenten verstärkt Bauteile bei den Chip-Herstellern ordern. "Durch die Lizenzversteigerungen ist das Thema UMTS verstärkt in das Bewusstsein der Anleger gerückt", sagt WestLB-Analyst Iltgen. Interessant seien daher Werte wie Texas Instruments, die bei Chips für Handys eine weltweit führende Position einnähmen. "Auch Intel wird langsam wieder spannend, weil das Unternehmen sich auf mobile Anwendungen konzentriert." Daneben gilt Infineon bei der WestLB als Favorit, bei den Union-Investmentfonds ist es die niederländische ST Microelectronics.

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