Lieferverzögerungen : EADS erhält im Streit um Militärtransporter Zeitaufschub

Bei der Auseinandersetzung um den Milliardenauftrag für den Bau des Militärtransportflugzeugs A400M erhält der Airbus-Mutterkonzern EADS voraussichtlich mehr Zeit. Das ab April gültige Vertragskündigungsrecht soll offenbar um mehrere Monate schoben werden.

400m
Sorgenkind. Die Schwierigkeiten beim Militärtransporter A400M schlagen schwer zu Buche. -Foto: AFP

BerlinDie Länder, die das Flugzeug bei dem Luft- und Raumfahrtkonzern bestellt haben, werden trotz der massiven Verzögerungen bei der Auslieferung der Maschinen von ihrem Kündigungsrecht zum 1. April nicht Gebrauch machen. Das Verteidigungsministerium bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Financial Times Deutschland".

"Wir sind bereit, der Firma EADS mehr Zeit einzuräumen", sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. Das ab 1. April gültige Vertragskündigungsrecht solle um voraussichtlich bis sechs Monate verlängert werden. Der Sprecher betonte: "Die Beschaffer-Nationen haben das Recht, den Vertrag zum 1. April zu kündigen. Aber EADS benötigt zusätzlich Zeit, um die erforderliche und die geforderte Transparenz im Programm zu schaffen." Dieses "Stillhalteabkommen" beschlössen die Rüstungsdirektoren vermutlich am 20. März in Bonn.

Die A400M ist mit vier Turboprop-Triebwerken ausgestattet und kann im Vergleich zu seinen Vorläufern eine höhere Nutzlast tragen und hat eine größere Reichweite. Ursprünglich sollte die Maschine schon 2008 in Serie gehen. Branchenkenner rechnen jetzt mit einer Auslieferung des Flugzeugs etwa ab 2013 statt ab 2009.

EADS drohen Vertragsstrafen

EADS und die Tochter Airbus erhalten nun Gelegenheit, in Detailgesprächen darzulegen und auszuhandeln, wie es mit dem von technischen Problemen und Verzögerungen geprägten Programm weitergehen soll, schreibt die "FTD". Das Stillhalteabkommen könnte Airbus zudem weitere Entwicklungszahlungen durch die Militärbeschaffungsbehörde Occar sichern, die sich auf monatlich umgerechnet fast 200 Millionen Euro beliefen, hieß es.

EADS drohen Vertragsstrafen, wenn die Auslieferung nicht eingehalten wird. Deutschland hat 60 Maschinen für die Bundeswehr bestellt, die den Transporter angesichts ihrer Auslandseinsätze dringend als Nachfolger für die fast 40 Jahre alte Transall braucht. Große Besteller sind ferner Frankreich mit 50 Flugzeugen, Spanien mit 27 und Großbritannien mit 25. Insgesamt liegen 192 Aufträge aus neun Nationen im Wert von gut 20 Milliarden Euro vor. (imo/dpa)

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