Wirtschaft : Linde AG: Industriegase-Hersteller will 1500 Stellen streichen

jkn

Gerhard Full, Vorstandsvorsitzender des Gase- und Anlagenbau-Spezialisten Linde AG, Wiesbaden, bleibt zurückhaltend. Zwar schloss er eine Übernahme prinzipiell nicht aus, "die uns strategisch weiterbringt". Aber der Abbau von Schulden stehe klar im Vordergrund des laufenden Geschäftsjahres. Damit steht die Marschrichtung des Traditionsunternehmens fest. Die wichtigen Bilanzkennzahlen sollen weiter aufpoliert werden, wachsen will Linde nach der Übernahme des schwedischen Gase-Herstellers AGA vor allem intern. So soll die Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) in allen Geschäftsfeldern 20 Prozent erreichen. "Im Anlagenbau und in der Fördertechnik sind wir schon soweit, die Technischen Gase und die Kältetechnik werden die Werte im Jahr 2002 erreichen", gab sich Full optimistisch.

Zugleich bekräftigte er die Pläne für einen Abbau von 1500 Stellen im Konzern, davon etwa 400 in Deutschland. Der Stellenabbau ist den Angaben zufolge vor allem auf die Restrukturierungen im Zuge der Übernahme des schwedischen Gaseproduzenten AGA zurückzuführen. In Europa habe man damit begonnen, die Landesgesellschaften der AGA und Linde Gas zusammenzuführen. Für die Betroffenen sei ein Sozialplan sowie für alle AGA-Beschäftigten in Deutschland Überleitungsvereinbarungen abgeschlossen worden, sagte Full.

Verschuldung soll sinken

Mit dem Erwerb von AGA habe man neue Märkte in Skandinavien und Amerika erschlossen. Bis Ende 2002 sollten durch Synergien Einsparungen von mindestens 100 Millionen Euro jährlich erzielt werden. Davon entfielen jeweils 40 Prozent auf Einsparungen beim Personal sowie auf die Senkung der Distributions- und Produktionskosten und 20 Prozent auf Einkaufsvorteile.

Full ist sich sicher, das bereits vor einigen Wochen publizierte Umsatzplus von acht Prozent und die überproportionale Ergebnissteigerung im Gesamtjahr erfüllen zu können. In den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres legte der Umsatz um 10,3 Prozent auf rund 1,2 Milliarden Euro zu. Der Auftragseingang wuchs um acht Prozent auf 1,3 Milliarden Euro.

Gleichzeitig will der Linde-Chef die Verschuldung des Unternehmens deutlich reduzieren. Allein in diesem Jahr sollen die Verbindlichkeiten - immerhin 4,2 Milliarden Euro - um 300 Millionen Euro zurückgefahren werden. Die Eigenkapitalquote, die zum Jahresende 2000 bei 35,4 Prozent lag, will Full "gemeinsam mit der Entschuldung in den kommenden Jahren wieder auf 45 Prozent anheben". Besitzer der im Deutschen Aktienindex gelisteten Linde-Aktie können damit in den kommenden Wochen kaum auf stimulierende Nachrichten hoffen. Die seit längerem geplante und von Analysten erhoffte Umstellung der Rechnungslegung auf US-Gaap-Regeln wird offensichtlich erst 2002 kommen. Sie hätte zur Folge, dass die hohen Goodwill-Abschreibungen wegen der AGA-Übernahme wegfielen und Linde somit ein wesentlich besseres Ergebnis ausweisen könnte. Die Restrukturierung werde fortgesetzt, sagte Full. Dabei solle auch die Zahl der Fertigungsstandorte verringert werden.

Schließung zweier Fabriken

Linde will unter anderem noch zwei weitere Fabriken für Kühlregale schließen. Auch der immer wieder geforderte Verkauf der nach wie vor kriselnden Kältetechnik oder eine Aufteilung des Konzerns lehnt Full nach wie vor ab, wohl wissend, "dass man sich immer wieder fragen muss, ob das eine oder andere zur Disposition steht". Die Analysten von M.M. Warburg blicken deshalb erwartungsvoll auf den Sommer, wenn Full sein Amt als Vorstandsvorsitzender abgibt. Dann dürfte auch die Kältetechnik auf den Prüfstand kommen, glauben die Experten.

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