Wirtschaft : Linux wird Windows nicht ersetzen

Sollte sich die EU durchsetzen, wird das Angebot für PC-Nutzer unübersichtlicher

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Die Auflagen der EUKommission werden voraussichtlich wenig Auswirkungen auf das Angebot von Personal Computern in Europa haben. „Es ist kaum wahrscheinlich, dass jetzt mehr Computer mit dem alternativen Betriebssystem Linux auf den Markt kommen werden“, sagt Meike Escherich, PC-Expertin der Marktforschungsfirma Gartner. Dafür seien die Strafen zu schwach und die Marktstellung von Microsoft zu dominant.

Sollte sich die Kommission auch vor dem Europäischen Gerichtshof durchsetzen, muss Microsoft künftig eine Version seines Betriebssystems Windows bereitstellen, die keinen „Media-Player“ zum Abspielen von Musik- und Videodateien enthält. Bekommen die PC-Käufer künftig eine abgespeckte Windows-Version, müssten sie sich zwischen dem „Media-Player“ und Konkurrenzprogrammen wie dem Realplayer oder Quicktime von Apple entscheiden. Diese Programme gibt es schon jetzt kostenlos im Internet. Doch die meisten PC-Nutzer machen sich nicht die Mühe,, zusätzliche Programme wie ein alternatives Multimedia-Abspielprogramm oder einen anderen Web-Browser zu installieren. Daher ist entscheidend, wie die PC-Hersteller reagieren. Sie haben es in der Hand, sich bei der Vorinstallation von Programmen für fabrikneue Computer für oder gegen die Microsoft-Software zu entscheiden.

Fraglich ist, wie sich die Preise für Windows entwickeln werden. Microsoft könnte für eine abgespeckte Windows-Version weniger Geld verlangen als für ein Komplettpaket. Das ist aber wenig wahrscheinlich. Wenn Windows von Microsoft mit allen Zusatzprogrammen zum gleichen Preis wie ein abgespecktes Paket angeboten wird, hätte der Software-Konzern die EU- Forderung erfüllt. Die Kunden würden sich für das Komplettpaket entscheiden, weil es für den gleichen Preis mehr bietet.

Microsoft selbst sieht dagegen sehr wohl Nachteile für die Verbraucher. Schon jetzt hätten viele Betreiber von Webseiten Funktionen des „Media-Player“ fest installiert. Sollte das Programm nicht mehr Bestandteil von Windows sein, könnten viele PC- Nutzer diese Webseiten nicht mehr nutzen, argumentiert Microsoft. Allerdings würden die Betreiber der Seiten künftig gezwungen, auch andere Formate zu verwenden, wenn die Verbreitung des „Media-Players“ abnimmt. msh

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